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Erstes Kapitel.
sind über zwei Dutzend solcher Gräber am Schweizersbild entdecktworden, aber keines barg die Reste des Diluvialmenschen. Dieältesten Gräber gehören der jüngeren Steinzeit an. Wir werdensie später betrachten und sehen, dass sie zum Teil unser vollesInteresse in Anspruch nehmen dürfen.
Unter der gelben oder paläolithischen Kulturschicht lag wiedereine Nagetierschicht, die ihrerseits auf einem Bette von gerolltenKieseln ruhte, das in den ersten, vorläufigen Publikationen irriger-weise als Diluvium bezeichnet wurde. Es ist Anschwemmungs-material des Freudenthaler Baches.
Die Schichten, die wir eben genannt haben, bedeuten nurHauptabteilungen im Profil vom Schweizersbild, wie sie besondersim östlichen Teil des Ausgrabungsgebietes klar zu Tage traten.Elinige derselben gingen ineinander über, andere keilten sich aus,so z. B. die obere Nagetierschicht. Nach der Angabe M. Boule’s,der den Ausgrabungen mehrere Tage lang beiwohnte, war die obereNagetierschicht im östlichen Teil durch eine sterile Kiesbank inzwei Abschnitte getrennt. Gegen die Felswand ging die schwarzeoder neolithische Kulturschicht ganz in eine „Aschenschicht“ über.Nach Westen nahmen die Kulturschichten ab und scheinen stellen-weise gefehlt zu haben. Im Ganzen war die östliche Hälftereicher an Funden, als die westliche; am zahlreichsten waren jenein der Mitte, d. h. in den zuerst geöffneten Gräben.
Interessant ist die Angabe, dass sogar in der untern Nagetierschichteine Feuerstelle nachgewiesen worden sei. Produkte von Menschen-hand Hessen sich ebenfalls bis in diese Schicht hinunter verfolgen.
3. Artefakte aus Silex , Knochen, Gagat u. s. w. Bei den Arbeits-plätzen der gelben oder rentierzeitlichen Kulturschicht lagen steinerneKlopfer. Rundliche Steine wurden auch bei den P'euerstellen ge-funden. Man bezeichnet sie als Hitzsteine, Glühsteine u. s. w. undglaubt, sie hätten zum Erhitzen des Wassers gedient. Das Wassermochte in lederne Säcke oder ausgehöhlte Holzstöcke gefasst wordensein und, um es zu erhitzen, warf man glühend gemachte Steine indasselbe, wie das noch von heute lebenden Naturvölkern, z. B. inNordwest-Amerika, berichtet wird.
Die eigentlichen Steingeräte vom Schweizersbild bestehen ausFeuerstein und sind sehr zahlreich. Bei der Kleinheit derselben frägtman sich unwillkürlich, ob es denn möglich sei, mit dergleichen Werk-zeugen zu arbeiten und gar feine Zeichnungen zu gravieren, wie siein Thaingen gefunden wurden und auch im Schweizersbild nicht völligfehlen. Da war es denn ein günstiger Zufall, dass Dr. Häusler, derdie Ausgrabungen eine Zeit lang dirigierte, in Neuseeland selbst mit