72 Erstes Kapitel.
fasst und man legte ihnen einen thätigen Willen bei. Aber auchdie leblosen Naturkörper wurden von den Urmenschen mit solchemWillen begabt und dadurch in den Bereich des menschlichen Denkenseinbezogen. Sagen doch jetzt noch unsere Kleinen, wenn sie sicham Tisch gestossen: du böser Tisch.
Zuerst wurde also ein Laut auf eine Thätigkeit übertragen undals zweiter Akt folgte die Personifizierung der den Menschen um-gebenden Natur. Auch Eigenschaften konnten auf solche Weiseerfasst werden. Wenn der Wilde z. B. eine bittere Frucht ass, soerschien ihm der Geschmack als beissend auf der Zunge und inder That bedeutet bitter eigentlich beissend. Nach und nach wurdenimmer mehr Begriffe gebildet; mit dem Denken entwickelte sich auchdas Sprechen und aus den ursprünglich Thätigkeiten bezeichnendenWortwurzeln entstanden im Laufe der Zeit die Wunderwerke derSprachen.
Die Reisenden, welche uns von den Australnegern, den Min-copie’s auf den Andamanen, den Buschmännern, Feuerländern oderandern Völkerschaften mit primitiver Kultur erzählen, berichtennoch von einem andern allgemeinen Besitztume der Menschheit,dem Feuer. Alle, selbst die rohesten Horden besitzen es, wennsie es vielleicht auch nicht selbst zu bereiten verstehen. Die Ur-geschichte bestätigt dies für die vergangenen Zeiten und die Ethno-logie für die heutigen Völker niederer Kulturstufe.
In den ältesten Ablagerungen, die menschliche Produkte ent-hielten, fand man neben Artefakten auch Spuren von Feuerplätzen,von Herdstellen.
Ein französischer Forscher hat das Feuer geradezu „die Mutterder Zivilisation“ genannt. Wie ist aber der Mensch in den Besitzdesselben gekommen? Nach der griechischen Mythe hat Prometheus den ..göttlichen“ Funken im Himmel entwendet und auf die Erdegebracht. Bei fast allen alten Kulturvölkern finden wir Spurengöttlicher Verehrung des Feuers und einen Rest dieses Kultus hat diekatholische Kirche bis in unsere Zeit in ihrem „ewigen“ Licht bewahrt.Dass es jetzt noch Tausende von Feueranbetern giebt, ist bekannt.
Wenn der Baum, vom Blitzstrahl getroffen, aufflammte, oderwenn im Vulkan die Feuer des Frdinnern emporzuckten, so be-greift man leicht, welch grossen Eindruck solche Erscheinungenauf den primitiven Menschen machen. Aber von ihnen hat er dasl'euer nicht erhalten; laut aufschreiend wird er vielmehr entflohensein. Sollte die gewaltige Naturmacht in den Dienst der Mensch-heit gezogen w r erden können, so musste es an einem Orte ge-schehen, wo sie milde Wärme oder leuchtende Kraft spendete,