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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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73
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Die Eiszeit oder das Diluvium. 73

wo sie gewissermassen Hausgenosse des Menschen geworden war.Nicht umsonst werden die Feuer von Baku am Kaspischen Meer seit alter Zeit verehrt.

Ist der Mensch einmal im Besitz des wohlthätigen Feuers, sogilt es, dasselbe zu erhalten, um es beim Gebrauch stets zur Handzu haben. Die Australier lassen auf ihren Wanderungen von denWeibern glimmendes Holz mittragen. Eine wichtige Erfindung desMenschen war die Erzeugung des Feuers durch Reibung. Erst da-durch wurde er eigentlich Beherrscher desselben.

Um das Feuer lagerte sich der Urmensch. Wo das Feuer, dawar sein Heim. Die Sorge, das Feuer des Herdes gegen Windezu schlitzen, führte zum Windschirm und dieser vielleicht zumHüttenbau. Mit dem Feuer konnte das Fleisch gedörrt und zurAufbewahrung geeignet gemacht werden, im Feuer röstete manKörner, mit Feuer brannte man später den Thon zu Gefässen undnoch später verhalf die Flamme dem Menschengeschlecht zur Herr-schaft über die Metalle. Das Feuer war der erste Hausgenossedes Menschen; nie hat man es zur Seite gestellt und heute nochvollführen wir die schwierigsten Werke mit Feuerskraft.

2. Kulturstufen. Um die Höhe der Entwicklung eines Volkesrichtig zu erkennen, müssen wir einen Massstab haben, der dasCharakteristische der verschiedenen Kulturphasen angiebt und zu-gleich einer sichern Bestimmung zugänglich ist. Einen solchenMassstab finden wir in der Art und Weise, wie jedes Volk seinenEebensunterhalt erwirbt, also in der Produktion. Diese ist abhängigvon der Lage, dem Klima und der Beschaffenheit der einzelnenLänder und bedingt ihrerseits alle andern Kulturfaktoren. Schonvor langer Zeit hat man daher von Jäger- und Fischervölkern ge-sprochen, von Viehzüchtern oder NomJijMl, von Ackerbauern undvon zivilisierten Nationen.

Der Diluvialmensch war ein Jäger, cfife Pfahlbauer (auch die-jenigen der sogen. Steinzeit) beschäftigten sich hauptsächlich mit Vieh-zucht und Ackerbau und diejenigen Völker^ die eine phonetischeSchrift benutzen, rechnet man zu den Kulturvölkern. Der Ethnologeverweist auf die Australier, die Buschmänrifet^/die Feuerländer, Es-kimos u. s. w. als blosse Jäger- und FischeiVällüfcT. Nomaden lebenheute noch in manchen Gegenden Europa ^ und, Asien's; zu ihnengehören auch die Hottentotten und einige Kaffernstämme. SesshafteAckerbauer sind manche Negervölker und waren die Mexikaner undI eruaner des vorcolumbischen Amerika .

Die frühem Kultur-Geschichtsschreiber haben der Ansicht gehul-digt, die zivilisierten Völker w'ären zuerst Jäger und Fischer gewesen,