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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Stämme und Horden sich ihre Nahrung verschaffen: es hängt aberauch Kleidung und Schpiuck mit der Bildungsstufe des Menscheneinigermassen zusammen.

Alle Reisenden, welche primitive Völkerschaften besuchten, be-richten, wie wenig Kleidung viele Stämme an sich tragen, wie sehrsie dagegen begierig sind, sich zu schmücken. Die Australier, Busch-männer, Feuerländer, Botokuden gehen oft total nackt, d. h. ohneKleidung, während Schmuck sozusagen nie fehlt. Nur die Eskimoshaben eine Kleidung, weil sie in ihrem Lande sonst zu Grundegingen.

Der primitive Mensch beweist, dass es eines der ersten undmächtigsten Bedürfnisse unseres Geschlechtes ist, sich zu schmücken.Darum dürfen wir uns nicht wundern, schon beim Diluvialmenscheneine ganze Reihe von Schmucksachen zu finden, die gewiss nureinen sehr geringen Teil des in Wirklichkeit vorhandenen Schmuck-materials ausmachen.

Die heute lebenden Stämme der niedersten Kulturstufe, dieJäger und Pflanzensammler, haben festen und beweglichen Schmuck.Zum erstem gehören z. B. Narbenzeichnung und Tättowierung, zumletztem alles mögliche Gut, das an Kopf und Haar, an Hals undHüften, an Armen und Beinen befestigt oder aufgehangt wird. EinMittelglied zwischen festem und beweglichem Schmuck bildet dieKörperbemalung, die wohl auch in der Urzeit schon geübt wurde,wie Funde von rotem Eisenocher u. dergl. anzudeuten scheinen.

Warum schmücken sich die Menschen? Man hat gesagt, dassder Hiiftschmuck infolge der Regungen des Schamgefühls entstandensei, aber wir haben einsehen gelernt, dass das Schamgefühl beiden Primitiven ebenso fehlt, wie bei unsern kleinen Kindern. Warumsoll sich einer schämen, wo alle nackt gehen? Der Scham-schmuck ist gewiss vielmehr ein Lock-, ein Reizmittel und dasSchamgefühl ist sicher ein Produkt der zunehmenden Kultur, derZivilisation.

Was den übrigen beweglichen Schmuck angeht, so vertrittauch er bei vielen Horden nicht etwa die Kleidung, wird nicht zumSchutz gegen schlechtes Wetter getragen, sondern dient als Aus-zeichnung, oft auch als Zeichen des Reichtums. Wenn ein Australiereine sehr grosse Zahl Kaninchenschwänze als Schmuck trug, sostellte er sich damit das Zeugnis eines guten Jägers aus. Ein guterJäger ist aber nicht bloss angesehen im eignen Stamm; er wirdauch als Krieger zu fürchten sein und ist ein Schrecken der Peinde.

Derselbe Gedanke wird in uns wach, wenn wir den festenSchmuck betrachten. Wer die Operation des Narbenzeichnens oder