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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
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110
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I io Zweites Kapitel.

ganz über dem See von Tondano, um Schutz vor den Seeräubernzu finden. Die Häuser waren durchschnittlich 65 I'uss (19,5 m) langund 35 Fuss (10,5 m ' breit. Das Dach bestand aus Sagoblättern oderPalmfasern. Eine Treppe, die des Nachts aufgezogen wurde, führte insWasser hinunter. Schon im Jahre 1658 kämpften diese Pfahlbauergegen die Niederländer, und noch 1809 erhoben sie sich gegen ihreBedrücker. Den Kanonen verdankten die Europäer den schliesslichenSieg. Seither dürfen die Häuser nicht mehr in den See gebautwerden und ziehen sich jetzt am Ufer hin.

Die schweizerischen Forscher F. undP. Sarasin, welche ganz unbe-kannte Gegenden von Celebes bereisten, haben ebenfalls Pfahlbautenangetroffen. Sie sind der Ansicht, dass die Sorge um grössere Reinlich-keit die Leute veranlasste, ihre Wohnsitze über Wasser aufzuschlagen.

Auf Ceram leben die heidnischen Alfuren des Innern in grossen,für 50 und mehr Personen berechneten Pfahlhütten. An der Küstesind manche Häuschen auf den blossen Boden gestellt, und man wohntfamilienweise, nicht in Sippen beisammen. Den merkwürdigstenPfahlbau bildet die auf einer Sandbank zwischen Ceramlaut undKissa mitten im Meer erbaute Stadt Kilwaru, ein Emporium desHandels der Molukken und Neu-Guineas.

Das Pfahlbauten - Eldorado ist nun aber die grösste Inseldes Archipels und deren Umgebung. Schon der erste Pfahlbau-bericht von Keller erwähnt die Pfahlbauten in Neu-Guinea . Nachder Schilderung von Dumont dUrville sind die Bewohner von Dore'ian der Nordwest-Spitze der Insel in vier Pfahldörfer verteilt. EinDorf begreift 815 Häuser in sich. Jedes derselben besteht auseiner Reihe von Zellen und nimmt mehrere Familien auf. DieHütten lassen überall das Tageslicht hindurch und schwankenunter den Tritten des Besuchenden. A. R. Wallace erzählt, dasszwei der Dörfer ganz im Wasser stehen und man zu ihnen auflangen Brücken gelangt. Die Pfähle sind kleine, krumme, unregel-mässig aufgestellte Stöcke, die aussehen, als ob sie Umfallen wollten.Die Fussboden der niedrigen Hütten sind auch aus Stöcken ge-macht, die so lose und weit auseinander liegen, dass es fast un-möglich ist, auf ihnen zu gehen. Dr. F'insch teilt mit, dass diePfahlbauten in Neu-Guinea erstellt werden zum Schutz gegenFeinde und dann infolge der Gewohnheit der Papuas, welcheviel mit dem Meere zu thun haben. Auch grössere Reinlichkeitergiebt sich auf den Pfahlbauten. Die Pfähle sind 34 m hoch,und man steigt auf einer Leiter zu den Wohnräumen hinauf. Nebenden Pfahlbauten giebt es hier und da auch noch Baumwohnungen.

Östlich von Port Dore'i ist die Geelvink-Bay, welche ebenfalls