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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
183
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Die neolithische oder jüngere Steinzeit. 183

Wie ist die Töpferkunst entstanden? Wir können uns heute einenZustand kaum mehr denken, wo jedes Gefäss mangelt. Es unterliegtaber keinem Zweifel, dass es eine Zeit gab, wo die hohle Hand alseinziges Gefäss des Menschen figurierte. An Stelle derselben tratendann Muscheln, Schalen von Früchten, Stücke von Bambusrohr, hohleSteine, sogar Menschenschädel. Bei den Weddah’s auf Ceylon, denMincopie's auf den Andamanen, den Australiern und anderenVölkern müssen jetzt noch derartige Objekte die Stelle von Ge-fässen versehen.

Cook fand in Unalaschka eine besondere Art Töpfe: Die Leutehatten auf einem flachen Stein Thonwände aufgebaut, gewiss eine primi-tive Ausübung keramischer Kunst. Ganz ähnlich erstellten die Eskimo’sThonaufsätze über hohlen Steinen. Den Australiern fehlen Thon-gefässe, aber die Anwohner des unteren Murray kleiden ihre in dieErde gegrabenen Herdlöcher mit Thon aus, was man als den erstenSchritt zur Erfindung der Töpferei betrachten kann. Sie überziehenauch wohl Kürbisschalen und Holzgefässe mit Ihon. Ganz ähnlichwird am Rio Grande do Sul verfahren und in der Union entdeckteman in den weiten Ebenen östlich vom Missi ss 'PP* a ^ te Töpferwerk-stätten, Siedelungsplätze, in welchen, wie in Neu-Mexiko , oftmalsThontöpfe gefunden wurden, welche noch die Modellformen: Kürbis-schalen oder Körbe von Weidengeflecht enthielten. Das giebt unseinen weiteren Fingerzeig, wie die Töpferei entstanden sein mag.Kam ein solches mit Thon überzogenes Gefäss dem Feuer zu nahe,so konnte es geschehen, dass das Geflecht verbrannte, aber dasGefäss erhalten blieb. Durch einen solchen Zufall wurde vielleichtauch das Brennen der Gefässe erfunden. Die Eindrücke des Flecht-werks aber hafteten als Verzierung am Gefäss. Man hat auch inPfahlbauten derartige Ornamente gefunden, z. B. in Ermatingen .

Das Material der Gefässe aus den steinzeitlichen Stationen ist einsehr verschiedenes. In Robenhausen fand man Schöpfer, Becher,selbst einen Eimer aus Holz, in Wauwil kam eine hölzerne Schalezum Vorschein, ebenso in Schafts und Moosseedorf . An anderenOrten wurden Löffel oder Schöpfer entdeckt, so in Lüscherz , \ inelz,Lattrigen u. s. w. (Fig. 151).

Auch Hirschhorn wurde zur Herstellung von Gefässen benutzt.Man fand z. B. Becherchen aus diesem Material (Fig. 152) in St.Aubin,Concise, beide im Neuenburger See gelegen, in Lüscherz und Latt-rigen im Bielersee u. a. O. ln Concise kam eine Schale aus Hirsch-horn zum Vorschein, ebenso in Gerolfingen , ferner bei Richensee imBaldeggersee, in Robenhausen u. s. w. Die Station Sutz lieferteSchöpfer und Löffel aus Hirschhorn .