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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Die Eisenzeit.

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wird gross genug, um zu bewirken, dass das Eisen in den unterenTeil des Ofens zu einer Luppe niederschmilzt, die ein schmiedbaresEisen liefert, welches an Güte wenig hinter dem europäischen Stahlzurückbleibt. Dieses Verfahren hat den grossen Vorteil, dass mannur eine Hitze von ca. 700° C. braucht, also ohne kunstreiche Ge-bläse auskommen kann. In der Herstellung solcher Gebläse hatauch für den prähistorischen Menschen die Schwierigkeit gelegen.

Der afrikanische Schmied bedient sich sehr einfacher Werkzeuge.Amboss und Hammer bestehen oft nur aus Stein. Zum Schneidendes rotglühenden Metalls dient ein Meissei. Als Zange benutzt ereine Pincette oder gar nur ein gespaltenes Holzstück. Blasebälgesind jeweilen in doppelter Zahl vorhanden, um einen konstantenLuftstrom zu erzeugen. Bei einem Schmiede der Dschagga sahThornton als Schweissmittel Stücke einer grossen Muschel imGebrauch.

Bei einigen Völkern Afrikas ist der Schmied verachtet, beianderen hoch geehrt. Häufig gehört er nicht zu dem Stamme, beidem er weilt. Sein Stamm wanderte; er blieb. Wo das Eisen, damuss der Schmied bleiben; er kann nicht so leicht wandern, wieder Nomade. Er dient dem fremden Stamme, der ihn duldet, weiler seiner bedarf, ihn aber als Fremdling hasst und wegen seinerKunst zugleich ehrt und fürchtet. Die griechische Göttersage hat dieGebundenheit des Schmiedes dadurch angedeutet, dass sie den kunst-reichen Hephästos hinken lässt. Dem nordischen Weland sind dieSehnen zerschnitten, aber er schmiedet sich Flügel und entfliehtdurch die Lüfte. Der Schmied, derdas Eisen bespricht, erscheintden Naturvölkern als Zauberer und bis : n unsere Zeit hinein ragenselbst in Europa die Spuren abergläubischer Verehrung vor dem-selben.

Im Nilthale reicht die Kenntnis des Eisens bis ins zweite vor-christliche Jahrtausend zurück. Aber ganz im Gegensatz zum süd-lichen und westlichen Afrika , wo auf die Steinzeit sofort die Eisen-zeit folgte, kann man in Ägypten , wie schon erwähnt, eine Bronze-periode nachweisen. Die Herrschaft der Bronze tällt daselbst inhistorische Zeiten, in das alte Reich. Noch zu Ende des II. Jahr-tausends vor unserer Zeitrechnung hatte das Eisen die Bronze nichtvöllig verdrängt.

Die Ägypter entnahmen das Eisen den Erzlagern auf der Sinai- Halbinsel und in den Gebirgen an der Südwestküste des Roten Meeres . Schon sehr früh bezogen sie dieses Metall aber auchaus dem Süden. Dort wird heute noch sehr viel Eisenerz ver-arbeitet. Von den Somali- und Gallaländern berichtete Professor