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Viertes Kapitel.
hauses. Der obere Zugang selbst ist nicht ganz mühelos zu er-reichen. Wir benutzten denselben, als wir mit dem ehemaligenObersteiger das Bergwerk besuchten, um die Spuren alter Zeit zubesichtigen, ln der That fanden wir solche in ansehnlicher Zahlund Ausdehnung. Schon die hohen Hallen, so behauptete derObersteiger, müssten aus sehr alter Zeit herrühren, da jetzt niemanddaran denken würde, solche Gewölbe auszubrechen. An manchenStellen wurde das Erz mittels des sogen. Renfeuer-Verfahrens ge-wonnen, d. h. man setzte ein mächtiges Feuer an die erzhaltige Fels-wand. Dadurch wurde dieselbe mürbe, rissig, bröckelig, und konnteleicht mit Meissei und Pickel bearbeitet werden, besonders wenn mander Hitze eine plötzliche Abkühlung durch kaltes Wasser folgen liess.Dieses Verfahren ist noch in den letzten Jahrhunderten, also nachder Erfindung des Pulvers, angewandt worden. Der berühmteBergreisende Scheuchzer sagt 1710: „Das Erz wird in der Grubedurch P'euer bezwungen, welches die Arbeiter am späten Abend an-zünden . . Man findet im Gonzen auch Schächte und Stollen,die mit Meissei und Hammer aus dem Gestein gearbeitet wurden.Wenn man von oben zum Haupteingang niedersteigt, so bemerktder Wanderer, dass ein alter, steilerer Gang den neuen schief durch-schneidet und unfern des vermauerten unteren Ivingangs ist einStollen in das taube Gestein getrieben, der nur so hoch und sobreit ist, dass ein Mann eben durchkommt und an dessen Wändenüberall die Meisseihiebe deutlich sichtbar sind.
Auch in den anderen Gruben, so erzählten sowohl der Besitzerderselben, als der alte Obersteiger, sind derartige Spuren zu sehen.Indessen bilden dieselben noch keinen zwingenden Beweis für dieAnnahme, dass der Abbau des Gonzenerzes in prähistorische Zeitzurückreiche. Eisenzeitliche Funde sind in der Nähe des Gonzennicht selten. So haben die Ansiedelungen auf der Burg zu Vilters und auf Castei bei Meis schon vor unserer Zeitrechnung bestandenund sind noch in römischer Zeit nachweisbar. An diesen Stellenfand man mitten unter den römischen und vorrömischen Fund-Gegenständen Reste von Schmelztiegeln, Schlacken und Erz, dasjedenfalls vom Gonzen stammt.
In Heiligkreuz bei Meis, also am Fusse des Gonzen, wurdeauch ein Schmelzofen entdeckt, der sehr alt sein muss, da in Ur-kunden nie ein Schmelzwerk in Heiligkreuz erwähnt wird. Dieälteste Urkunde, welche vom Gonzen spricht, datiert erst aus demXV. Jahrhundert. Seither befanden sich die Schmelzstätten in Flums - und später in Pions . Der Schmelzofen von Heiligkreuz lag tiefim Boden; er stammt wohl aus einer Zeit, wo das ganze Seez-