Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
361
JPEG-Download
 

3öi

Die Eisenzeit.

Aus der Betrachtung der eisenseitlichen Ansiedelung der Schweiz haben wir die Überzeugung geschöpft, dass in unserem Lande so-wohl die Hallstatt -, als die La Tene-Kultur nachgewiesen werdenkann, und dass nach dem Jahr 400 v. Chr. die erstere von derletztem abgelöst wurde. Sehen wir nun, wie sich die Gräberfundedazu verhalten!

i. Grabhügel.

. .. Zwei Hügel macht uns beiden, erwiihlt die Stell

Auf jeder Seit der Meerbucht an blauer Well;

Denn lieblich tönts dem Geist, wenn die Woge singet,

Und Wellenschlag am Strand, wie die Drapa klinget.

Umsäumt der Mond die Berge mit bleichem ScheinUnd netzt der Thau der Mittnacht den Bautastein,

Dann sitzen wir, o Thorsten, auf beiden SeitenUnd reden übers Wasser vom Lauf der Zeiten . .

(Frithjofs-Sage.)

Die Gräber der schweizerischen Eisenzeit liegen entwederin Grabhügeln oder, in freier Erde. Grabhügel haben wir inder Nordostschweiz schon am Ende der Steinzeit konstatierenkönnen. In der Bronzeperiode finden sie sich häufiger, doch nur imöstlichen Teile der schweizerischen Hochebene. Zur Eisenzeit werdendie Tumuli ungemein häufig, doch kommen sie durchaus nichtüberall vor. Zunächst ist in den Gebirgsthälern unseres Landesnoch nie ein wirklicher Grabhügel angetroffen worden, dagegenliegen die Gräber manchmal in natürlichen, hauptsächlich inMoränenhügeln eingebettet. Manche derartige Vorkommnisse sindfrüher als Grabhügelfunde bezeichnet worden.

Man hat sich gefragt, ob dieses Fehlen der Grabhügel den eigen-tümlichen Sitten der im Gebirge lebenden Stämme und Völkerschaftenzuzuschreiben sei oder ob es daher komme, dass der kleine Hügel,den man im Flachlande von einiger Entfernung bemerkt, im Gebirgeso zu sagen verschwindet. Thatsache ist, dass in den Kantonen Wallis nnd Tessin , welch letzterer Teil der Schweiz doch in die lombar-dische Tiefebene hinausreicht, bis jetzt keine Tumuli bekannt ge-worden sind. Diese fehlen ferner in Unterwalden, Uri und Schwyz ,ja selbst in Zug. Aus dem Kt. Luzern ist nur eine einzigeNotiz über Grabhügelfunde bekannt geworden. Die Gegenden derSchweiz , wo in historischer oder protohistorischer Zeit die Rätiersassen, also Graubünden , Glarus , St. Gallen und Appenzell , sowieder südliche Teil des Thurgau, zeigen denselben Mangel an Grab-hügeln, obwohl andere eisenzeitliche Funde nicht fehlen.