JÖO Viertes Kapitel.
Stein und Thon, Faserstoffe, Gold, Bronze und Eisen, Bernstein und Glas wurden verwendet. Besonderes Interesse erregen die zahl-reichen Bronzegefässe mit ihren aus dem Süden wohlbekanntenFormen und den mannigfachen Verzierungen, die zum Teil reichmit Gold geschmückten Waffen, der Bernsteinschmuck, die Gürtel-bleche von getriebener Arbeit u. s. w. Manche dieser Objektestimmen mit Funden aus etruskischen und proto-etruskischen Gräbernüberein. Unleugbar hat der Salzhandel von Hallstatt diese Produkteaus dem Süden nach dem Gebirgsorte gebracht, wie er ihm auchden Bernstein des Nordens zuführte.
Die Hallstattkultur lässt sich nicht bloss in Österreich , sondernauch in Süddeutschland , der Schweiz und in Frankreich nachweisen.Repräsentanten derselben finden sich sowohl südwärts der Alpen,als auch in Norddeutschland u. s. w.
Die jüngere Kulturströmung der Eisenzeit ist die La Tene- Kultur , nach der Station La Tene so genannt. Sie hat ihren Sitzmehr im Westen Europa’s , im alten Keltenlande Frankreich und strecktdrei mächtige Arme nach Osten. Der eine derselben geht dem Main entlang nach Böhmen , der zweite durch die Schweiz , der dritte aberreicht über Norditalien und Südösterreich nach Ungarn , wo uns dieseKultur, ähnlich wie in Böhmen , in reicher Entfaltung entgegentritt.
Es gab eine Zeit, wo man jeden archäologischen Fund einembestimmten Volke zuschrieb und das Lieblingsvolk der Prähistorikeralten Stils waren die Kelten. Heute wissen wir, dass die Prähistoriefür sich allein die P'ragen nach der ethnologischen Zugehörigkeitder Völkerschaften, mit deren Hinterlassenschaft sie es zu thun hat,nicht lösen kann und so reden wir denn nicht von einer keltischenEisenzeit in Mitteleuropa , sondern von der Hallstatt - und derLa Tene -Periode. Vielleicht müssen einst beide Kulturen den Keltenzugeschrieben werden, da sie im Bereich der durch schriftlicheDenkmale beglaubigten Sitze dieses Volkes ihre Blüte erreichten.
Wie die Hallstattsachen hier und da ausserhalb ihrer eigent-lichen Heimat angetroffen werden, so auch die La Tene-Funde.Sie mögen durch Handel und andere Verbindungen der Völker inentfernte Gegenden gelangt sein und dienen uns heute zur Be-stimmung der gleichzeitigen Funde verschiedenster Länder.
In den La Tene-Funden fehlen die prächtigen Gürtelbleche derHallstattperiode; es fehlen die prunkenden Waffen und die wunder-baren Schmucksachen, die jene aufweist. Geräte und Schmuck sindeinfach, die Waffen sind praktisch, für den Gebrauch hergestellt.Die ganze La Tene-Kultur scheint einem Kriegervolk angehört zuhaben, ein Denkmal kriegerischer Zeiten zu sein.