Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
394
JPEG-Download
 

3Q4 Viertes Kapitel.

wird. Die im Jahre 58 v. Chr. aus der Schweiz nach Gallien aus-wandernden Helvetier hatten in ihrem Lager Verzeichnisse derAuswanderer. Sie waren in griechischer Schrift geschrieben undfielen dem römischen Feldherrn in die Hände. Die Helvetierwaren also zur Zeit ihrer Auswanderung eben im Begriffe, in diegeschichtliche Epoche, und damit in die Reihe der kultiviertenVölker einzutreten.

Wenig früher lernten die Bewohner unseres Landes gemünztesGeld kennen. Das Vorkommen desselben beweist regen Handelund Verkehr. Bei Betrachtung von Ansiedelungen und Gräbernder La Tene-Periode haben wir bereits einiger Funde von MünzenErwähnung gethan. Die Münzfunde, im Verein mit einigen vor-römischen Inschriften, helfen den Schluss der in strengerm Sinnprähistorisch zu nennenden Periode der Vergangenheit des Schweizer-landes illustrieren.

1. Münzen aus der Eisenzeit. Die ältesten in der Schweiz gefundenen Münzen bestehen aus Gold, Elektron, d. h. einer Mischungvon Gold und Silber, aus Silber und Potin, d. h. einer Legierungaus Kupfer, Zinn und Blei. Sie kamen in grösserer Anzahl in derschweizerischen Hochebene zum Vorschein; indessen hat man sowohlim Jura, als auch in den Alpen einige wichtige Miinzfunde gemacht.

Im Kt. Tessin sind nur an zwei Stellen vereinzelte vorrömischeMünzen gefunden worden, dagegen kam schon im vorigen Jahr-hundert eine grössere Anzahl solcher am Wege über den Julierzum Vorschein. Als nämlich im Jahre 1786 ein Mann aus Conters durch das Oberhalbstein fuhr, sah er, kaum einen Flintenschussvom Hofe Burwein entfernt, aus der Erde etwas Glänzendes hervor-schimmern. Er grub nach und fand zwei ineinander liegende Kupfer-kessel, von denen der innere noch gut erhalten war. Derselbe ent-hielt goldene und silberne Armbänder, worunter auch schlangenartiggewundene, ferner goldene und silberne Münzen. Ausserdem fandensichgriechisches Erz, Würfel, eine Art Brille von gewundenemDraht, kleine Pfeifchen und ein kleiner silberner Kessel von ge-triebener Arbeit. Der Finder verkaufte den Schatz einem Italienerund ein Goldschmied in Cläven (Chiavenna) schmolz den grösstenTeil desselben ein. Nur einige Münzen (vgl. Füg. 403 u. 404) undein kleines silbernes Weihrauchfass mit Kette blieben erhalten.

1789 wurde an der Fundstelle in Burwein ein goldenes Münzchenvon der F'orm der sogen. Regenbogenschüsselchen gefunden. Dieerhaltenen Münzen kamen zum Teil in die Hände des bekanntenAltertumsforschers Schreiber, Professor in Freiburg i. B., der siebeschrieb. Auch Mommsen publizierte eine Anzahl Burweiner Münzen