VI
wenn gleichwohl nur von einer Stelle selbst öffentlich ausgespro-chen wurde, eine Darstellung der „Schneiderei.“ Indessen, weres zu unternehmen wagt einen bisher im Allgemeinen als neben-sächlich betrachteten Gegenstand aus einer solchen allerdingsbequemen Anschauung heraus zu der Bedeutung klar zu stellen,die der eigenen Ansicht nach demselben gebührt, muss auf der-artige Missverständnisse und missschätzende Urtheile gefasst sein.— Nun, die Zweifler sind ihrer Zweifel ledig, und die Anderen,wie ich mindestens glaube erwarten zu .dürfen, schon seit längeranderer Meinung geworden.
Jeder, der nur einigermaassen Kenntniss auch blos von demStoffe besitzt, der zur Verarbeitung vorlag, wird den Muth unddie Kraft, die allein schon seine Bewältigung erfordert, auch ohneeine nähere Darlegung zu würdigen wissen. Und wie ungleichüberdies verhalten sich nicht die Vorarbeiten an sich: Nach dereinen und anderen Richtung einestheils Ueberfülle bis zum Er-drücken, anderntheils Mangel, nach vielen Seiten hin bis zu gänzlicherLeere. Galt es mithin im ersteren Falle eine meist überaus weit-schichtige, sorgfältigst. prüfende Sichtung, so im anderen Falle einunermüdliches Suchen, Selbstforschen, Vergleichen und scharfabwägendes Feststellen. War es mir doch vor allem darum zuthun, an dem Faden der allgemeinen Geschichte innerhalb derSolidarität der Dinge überall das mehr Zufällige, launenhaft Wech-selnde, von dem durchgehend bedingten Grund- und Hauptzugezu trennen, überall das Gesetz zu finden. — Inwieweit nundies etwa überhaupt, oder auch nur hie und da gelungen, wagefreilich am wenigsten ich zu entscheiden. Mein fortdauernd wesent-lich darauf gerichtetes Streben aber wird dem Einsichtigen wohlnicht ganz entgehen können. Auch ist im Verlauf der Arbeit mirdie Genugthuung einer solchen Erkenntniss mehrfach zu Theilgeworden. Allerdings, würde ich von meinem jetzigen Stand-punkt aus das Werk erst beginnen, möchte es wohl reifer aus-fallen. Jedoch, wie es abgeschlossen nun einmal vorliegt mit allenseinen Mängeln, die Niemand schärfer als der Verfasser selbererblickt, ist es, zugleich als Ergebniss eines ernsten festbeharr-lichen Wollens, auf seinem Gebiete immerhin einstweilen dasbeste, — freilich aber auch eben nur, da es in seiner Art zunächstnoch das einzige ist.