Einleitung.
Kostiimgestaltung im zwölften und dreizehnten Jahrhundert. 1
So weit die Welt dem römischen Schwerte gehorchte, war sie nicht,sowohl der römischen Gewalt als auch dem römischen Wesen unterthan.Wohin auch Rom sein Scepter trug, nie versäumte es damit zugleichrömischen Sinn und römische Sitte als Grundbedingniss dauernder Herr-schaft in rascherem Fluge zu verbreiten. Nur wenig geneigt der Eigen-heit der Völker Rechnung zu tragen, erkannte es in stolzer Betrachtungseiner Weltstellung allein in sich den Maassstab der Bildung überhaupt.Und lange bevor seine Stunde schlug, bevor die Völkerwanderung imNorden sich siegreich über sein Reich ergoss, hatte es sich auch in dieserHinsicht des grössten Theils von Gallien , Spanien , der britischen Landeund Donauländer dienstbar gemacht, ganz abgesehen von den östlichenReichen, von denen insbesondere Byzanz die Grundlage seiner Ausbildunggleich schon von vornherein nur Rom verdankte.
Mit dem Absterben der römischen Welt und dem endlichen Sturzdes Reichs durch die germanischen Wanderscharen wurde dann wohl diemorsche Kraft des römischen Schwerts für immer gebrochen, indessenwar nun doch überall römisches Wesen schon zu fest begründet, alsdass sich dem selbst diese Sieger auch nur hätten entziehen können. Fürsie vielmehr war dies die reichste Erbschaft, die das Geschick ihnenzuwandte, und welche sie dann auch in freiem Behagen ohne Weiteresantraten.
1 S. das Nähere darüber, zugleich mit stetem Hinweis auf die Quellen, im„zweiten Abschnitt“ meiner „Kostümkunde.. Geschichte der Tracht und desGeräthes im Mittelalter vom 4. bis zum 14. Jahrhundert. Mit 873 Einzeldar-stellungen in Holzschnitt. Stuttgart 1864.“