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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Die Tracht. Der Herrscher-Ornat; die Bewaffnung. 12. Jalirli. 15

kleiduug waren von den höheren Ständen, dem Adel- und Ritterstandausgegangen, somit bei diesen auch zunächst zu entschiedenerem Aus-drucke gelangt. Der Bürgerstand und die von ihm abhängigen oderdienenden Klassen beharrten dem gegenüber noch länger in gewohnterEinfachheit, bei den seither üblichen, aus gröberen Stoffen gefertigten,meist schmucklos belassenen Tuniken und mäntelartigen Umhängen. Erstnachdem auch dieser Stand, etwa um die Mitte des dreizehnten Jahr-hunderts, sich seine Stellung errungen hatte und nun in Folge seinerdadurch gesicherten Gewerbthätigkeit zu immer grösserem Wohlständegelangte, ward in ihm das Bestreben geweckt, es auch in Betreff seinesäusseren Erscheinens, wie in der Bekleidung vorzugsweise, jenen Stän-den gleich zu thun, was freilich dann aber veranlasste, dass sichdiessnun auch den dienenden Klassen und zum Theil selbst den reichenBauern, so namentlich der östreichischen Lande, in steigendem Grademittheilte, wodurch denn das bisherige Verhältniss dieser Rangklassen zueinander nicht unbeträchtlich verschoben ward.

Bei weitem am längsten erhielt sich die Form der altrömischen Be-kleidung im ceremoniellen Iferrschcxornat. Denn obschon auchdieser im Verlauf mannigfachen Wechsel erfuhr, betraf dies doch immernur Einzelheiten, wie seine verzierende Ausstattung und die Gestaltung

der eigentlich attributiven Abzeichen,der Kronen, Scepter u. dergl. Inallem Uebrigen, so namentlich inder Beschaffenheit der Gewänder,blieb man fast ohne Veränderung beider dafür anfänglich entlehnten staats-amtlichen Tracht der römischen Kai-ser, bei der zu den Füssen hin reichen-den, weitfaltigen weissen Tunika nebstkostbar verziertem Hüftgürtel und demebenfalls, langen und weiten purpur-farbigen Mantel stehen (Fig.9J . _

In der allniäligen Ausbildung derkriegerischen Ausrüstung dage-gen entzog man sich verliältnissmässigschon früh, ja überhaupt wohl amehsten, den römischen Uebffrlieferun-. gen, wie denn von diesen bereits umBeginn des*elften Jahrhunderts kaumnoch einige namhafte Spuren erüb-rigen. Dadurch dass man an Stelle des von den Römern zumeist an-gewandten Wurfspeers, despilum, Und der langen Lanze, dem eigenen

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