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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Die Tracht. Ornat der Geistlichkeit. 23

sich einestheils längs den Seiten, anderntheils Uber den Spann hin er-streckte.

3. Ein Hals- oder Schultertuch (amictus, superhumerale). Eswar dies ein grosses oblonges Tuch, an jeder Ecke der einen Langseätemit kurzer Oese, an den Ecken der anderen Langseite mit Bändern ver-sehen. Dasselbe, vornämlich dazu bestimmt die Gewänder überhauptvor der unmittelbaren Berührung mit dem Halse zu bewahren und diesenselbst vor Erkältung zu schützen, wurde zunächst auf den Kopf gelegt,so dass die mit Oesen versehene Langseite vorn, von der Stirne, jederseitsgleichmässig auf die Brust herabfiel, sodann auf den Hals zurückge-schoben und nun jene Bänder der hinteren Langseite unter den beidenArmen fort durch die beiden Oesen hindurch nach dem Rücken hin fest-gezogen, überkreuz wieder nach vorn geführt und vor der Brust zusam-mengeschleift. Da hierbei der von den beiden Oesen begrenzte, obereRand des Tuchs in einiger Breite sichtbar blieb, pflegte man diesen durchStickerei u. s. w. reich zu schmücken.

4. Die Alba falba, camisia, poderis, tunica talaris). Ein Unter-kleid von weissem Linnen, zuweilen auch von weisser Seide, welches, biszu den Füssen reichend, mit langen bis zur Handwurzel hin sich allmäligverengenden Ermeln und massig weitem Kopfloch versehen, im Wesent-lichen noch der altrömischentunica talaris entsprach. Auch wurdedies Kleid gelegentlich theils, wiederum ähnlich dem letzteren Gewände,vorn (jederseits von den Schultern abwärts) mit einem schmalen farbigenStreifen (latus clavus, angustus clavus), theils aber auch, verschiedendavon, oberhalb des unteren Randes mit einem länglich viereckten Besatzvon kostbarer Zierarbeit ausgestattet. Das Gewand selber wurde ge-gürtet und dieser

5. Gürtel (cingulum, zona, baltheusj meist so lang getragen, dassseine Enden bis zur Mitte der Oberschenkel herabhingen; überdies, derAlba gemäss, mit mancherlei Stickerei geschmückt und auch wohl an denbeiden Enden mit kleinen an Schnürchen befestigten Schellen oderGlöckchen von Gold besetzt.

6. Die Stole (stola, orarium). Ein schmales, oft reich geschmück-tes Band entweder von Wolle oder von Seide, das, nach vorn um denHals gelegt, über der Alba getragen ward, lang genug, dass es jeder-seits bis auf die Füsse herabreichte, ja zuweilen auch noch länger, inwelchem Falle es dann gewöhnlich ziemlich tief unter der Brust gekreuztund mit dem Gurt übergürtet wurde. Dieses Bandes hauptsächlichstenSchmuck bildeten seit frühster Zeit eingesticktelateinische Kreuze;ausserdem ward es an den Enden mit Fransen oder, ähnlich dem Gürtel'mit Troddeln oder Gehängen geziert.

7. Der Manipel (phanon, mappula, manipula). Es war dies