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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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24 Einleitung. Kostümgestaltung im 12. und 13. Jahrhundert.

seit dem zwölften Jahrhundert ebenfalls nur ein schmales Band von mehr- oder minder reicher Ausstattung, fortan ausschliesslich dazu bestimmt umals ein blosses Ornament über den Arm getragen zu werden, daher manauch dessen beide Enden so miteinander vereinigte, dass es nicht seit-wärts herabgleiten konnte. Diese Enden erhielten gewöhnlich einen derStole ähnlichen Schmuck.

8. Dalmatica und tunicella. Zwei hemdförmige Ueberziehkleidermit langen bis zur Hand reichenden Ermeln von verschiedener Weite undLänge, gewöhnlich das längere von rother Färbung, das andere weiss,davon man entweder nur das eine (und dann vornämlich das längere),oder welche man beide zugleich (und dann zwar zumeist dies letztere zuunterst) über die Albe und Stole anzog. Abgesehen von ihrer Färbung,worin man überdies wechselte, schmückte man sie längs den Seiten durchgestickte Langstreifen; ingleichen über den unteren Saum vorzugsweisedurch einen breiten länglich viereckten gestickten Besatz. Auch war esschon frühzeitig üblich geworden das längere Gewand an jeder Seite,bis zu einer gewissen Höhe, aufzuschlitzen oder aber bogenförmig auszu-schneiden und es, zufolge der Ueberlieferung der Ausstattungsweise des jüdi-schen Hohenpriesters, am unteren Saum mit goldenen Schellen zu behängen.

9. Das Messgewand (paenula, planeta, casula, casubula). Gleich-wie sich in der Albe die Form deraltrömischen tunica talaris beständigerhalten hatte, hatte auch dieses Ge-wand durchgängig seine altherkömm-liche Gestalt, die des auch schon untergleichen Namen (paenula, casula) imalten Rom allgemein üblichen Schutz-kleides , eines ringsum geschlossenen,glockenförmigen Umhangs, bewahrt(Fig. 20). Seine wesentliche Abwand-lung davon beschränkte sich imGrunde genommen und dies selbstbis zum siebenzehnten Jahrhundertfast nur auf den Stoff und die Aus-stattung, sofern man nun dafür un-ausgesetzt nicht sowohl die kostbar-sten Gewebe, als auch die reichsteVerzierungs weise durch Edelsteine,Goldstickerei, Perlenbesatz u. dergl.wählte. In dieser Ausstattung allerdings

ging man dann aber auch wohl so weit das Gewand derart zu überladen,dass es den Träger fast erdrückte, und es geradezu nötliig ward, um diesem

Fig. 20.