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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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44 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

ein halbes Jahrhundert zurück, dahingegen es sich aber dann gerade diesenbesonderen Theil der städtischen Gesetzgebung um so angelegener sein liess,freilich auch, wie seither überall, ohne irgend durchgreifenden Erfolg.

Soweit sich nun aber auch solches Bestreben im Allgemeinen äusserte,betraf es zunächst doch wesentlich mehr die Ausstattungsweise, denn dieForm. Fast mit der gleichen Zähigkeit, mit der man sich im vorigen Zeit-raum von der einmal altherkömmlichen römischen Grundgcstaltung los-sagte, hielt man nun auch an der danach abermals gewonnenen Durchbildungfest. Noch beinah während fünfzig Jahren, bis gegen die Mitte des vierzehntenJahrhunderts, bewegte man sich mit nur sehr geringen Abweichungen imEinzelnen innerhalb der so gesteckten Grenzen, sie erst von da an, vor-erst auch nur schüchtern, sodann aber fast gewaltsam durchbrechend, jajetzt gleichsam als gelte es sich für die bisherige Beschränkung zu ent-schädigen. Auch fand nun dieser wiederum ziemlich allgemeine Um-schwung, der erst recht eigentlich den Beginn einer neuen Ordnung derDinge bezeichnet, seinen Ausdruck auch in der Baukunst, welche seitdemdurch ein launenhaftes, willkürliches Spiel mit ihren Formen und construc-tiven Bedingnissen zu einem immer bunteren Zierrathgepränge herabge-stimmt ward, mit Ausnahme von Italien , wo mindestens seit dem fünf-zehnten Jahrhundert darin sowohl, als auch in noch anderen inneren undäusseren Beziehungen, die Hinneigung zu den altrömischen Formen nochzunehmend zur Geltung gelangte.

Nach dem, wie sich schon im spätem Verlauf der vorangegangenenEpoche die staatlichen Verhältnisse der vornehmsten lieiche des Abend-landes zu einander gestaltet hatten, kann weder das ihnen Gemeinsameihres kostümlichen Verhaltens bis zu jenem Umschwünge, noch auch diein ihnen durchgängig fast gleiche Wirkung dieses Umschwunges selbstin der That befremdlich erscheinen. Schon während der Zeit der Hohen­ staufen , in welcher bis auf Friedrich IT. vor allem Deutschland den Tonangab, waren sich tlieils durch beständige Kriege, wie namentlich auchdurch die Kreuzzüge, theils durch die gerade in diesem Zeiträume weiter-greifenden Handelsbezüge auch die von einander entfernteren Völker ineinem Grade nahe getreten, dass zwischen ihnen ein steter Austauschihrer kostümlichen Besonderheiten wohl noch um so weniger ausbleibenkonnte, als diese auf Grund der noch fast überall vorherrschenden römi-schen Tradition nur wenig von einander abwichen. Nach dieser für dieGesammtentwicklung der völkerlichen Verhältnisse so äusserst erfolgreichenZeit indess zogen sich aber bald alle durch sie erst gleichsam nur vor-bereiteten Fäden zu einem stets engeren Gewebe zusammen, wobei dennauch selbst die sich daraus ergebenden mannigfachen Verwirrungen nochinsbesondere dazu beitrugen eine derartige Ausgleichung auch für dieFolge zu bewirken. Ueberall, wohin der Blick fiel, traf er auf Kampf