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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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68 I. Das Kostüm vom Beginn des 14; bis zum Beginn des 16. Jahrh.

als ganze Ermel, sondern zumeist nur als Halbermel, von durchgängigminderer Enge getragen (Fig. 37 a. c; Fig. 39 a). Demnach auch wardes zunehmend Gebrauch den unteren Rock, der jetzt auch bisweilen zu

einer Art von äusserst knapperErmelweste zugestutzt ward, ebender sichtbaren Ermel wegen, ausnicht weniger theurcm Stoff als denoberen Rock herzustellen, wenn-gleich man wohl insgemein aufdiesen, vomämlich was die Ver-zierung betraf, beständig die grössteSorgfalt verwandte. Nächstdemdass man dazu nach wie vor Seide,Sammet oder Tuch von glänzenderFärbung und Musterung wählte,oder auch diese Stoffe bestickte,Hess man sich fortan, noch ins-besondere die möglichst zierlicheBeschaffung sowohl der Knöpfe,die alsbald sehr beträchtlich ver-mehrt wurden, als auch deren Ein-fassungen, in Langstreifenform, an-gelegen sein. Dahingegen wardes jetzt üblicher, die sonst so.beliebte Auszackung des unte-ren Saumes theils sehr zu be-schränken , theils auch gänzlichzu beseitigen und ihn in diesem Falle zuweilen mit kleinen eigensgestalteten metallnen Anhängseln zu besetzen (Fig. 37 a. c), wie mandenn jene Art der Verzierung fortan überhaupt wesentlich nur nochfür die langfaltigeren Obergewänder und die Mäntel in Anwendungbrachte (Fig. 38 a. b; Fig. 39 b). Sonst aber pflegte man den oberenRock auch noch ferner, obschon immer seltener, mit einer Kapuze zuversehen, ihn auch wohl noch gelegentlich wenigstens längs den Rändernder Ermel und am unteren Saum mit Pelz zu verbrämen. Solcher soenganliegenden. Röcke bediente man Sich nun selbst auch zur Jagd(Fig. 40 c ), obgleich man dafür, wie insgemein für den Zweck freiererBethätigung auch noch immer den tunikaähnlichen, weiterensurcot abeibehielt (Fig. 40 a. b), was denn zumal bei den Landleuten undden Handwerkern mit wenigen Ausnahmen auch noch bis über denSchluss dieses Zeitraums, ja selbst bis zu Ende des Mittelalters allge-meiner statt hatte (vergl. Fig. 33 a. b. c; s. unt.).