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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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100 ! D* 18 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

Fig. 66. derartiger Uebertreibung der hörnerarti-

gen Aufsätze wurden nicht minder auchdie noch sonstigen beliebten hohen Auf-sätze mit darüber liegenden Wülsten(Fig. 63; vergl. Fig. 49 a. b), als auchdie einfacheren Ohrnetzhauben in demähnlichen Maass überboten, dabei dennwiederum zugleich der Schleier, denman darüber, wie insbesondere über letz-tere zu tragen pflegte, noch weitere Um-gestaltung erfahren sollte (Fig. 67).Nicht genug aber an solcher Ent-artung, die an sich schon dem Wesender Sache auf das Seltsamste widersprach,erfand man noch, etwa um das Jahr1428, eine ganz ausnehmende Form, dieAlles was inan in diesem Punkte auchbereits Wunderliches geleistet, noch beiweitdrh übertraf. Es waren die soge-nannten hennins: sehr hohe theils wal-zenförmige, theils aber zuckerhutförmigeAufsätze, bestehend entweder aus Kar-ton oder aus einem Gestell von Drath mit einem Bezug von feinemStoff, von oben bis unten und zu den Seiten mit einer ungemeinen

Fülle von durchsichtigem GewebeFig. 67. garnirt, das vorn, vor der Stirn

und längs den Wangen, eine breiteLasche bedeckte und gewöhnlichhinterwärts, in zumeist faltenrei-cher Masse, als Schleier, nichtselten so tief herabfiel, dass manbeim Gehen genöthigt war sie,damit sie nicht nachschleppe, auf-zunehmen und zu tragen (Fig.62 b; vergl. Fig. 71 a). Wäh-rend man sich bei Anwendungjener hörnerartigen Hauben beidem Durchschreiten einer Tliüredoch eben nur seitwärts zu b ü-cken brauchte, wurde man durchdiese Aufsätze in gleichem Fall geradezu gezwungen eine tiefe Kniebeu-gung zu machen, was denn namentlich die Prädicanten noch ganz besonders