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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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107
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A. Die Tracht. Frankr., Engl. , Nieder! Männl. Kleidung (14401480). 107

seit kurzem eigenen kleinen Kapsel oderbraguette; auch wurde esnoch ferner hauptsächlich ander Jacke oder dem Rock unter den Schössenmit Hefteln befestigt. So auch blieb die Fussbekleidung wesentlichdie frühere (Fig. 69 d).

Von den längeren Ueberziehkleidern waren cs vorzugsweise die,welche gemeiniglich bis zu den Knieen oder doch nur Weniges überdie Kniee herabreichten, die eine demähnliche Versteifung erfuhren; beiweitem seltner die Schleppkleider, die nunmehr aber auch überhauptfast lediglich der ceremoniellen Repräsentation Vorbehalten blieben.Bei jenen kürzeren, gewöhnlicheren Röcken, die man im Uebrigenbald gegürtet, bald ungegiirtet zu tragen pflegte, ward die auch schondurch ihren Stoff veranlasste Starrheit noch dadurch erhöht, dass mansie einestheils vorn und hinten ihrer ganzen Länge nach zu gleichsamorgelpfeifenförmigen Parallelfalten gestaltete, anderntheils unten zumeistsehr breit, zuweilen sogar bis zur Hälfte hinauf, mit schwerem und kost-barem Pelzwerk verbrämte (Fig. 69 o). Hie Errnel, sehr breit aus-ladend, wurden nicht selten auswattirt, sonst aber entweder ganz wiedie Ermel der kurzen Jacke geschlitzt u. s. w. (Fig. 69 a. d) oder inallen den schon seither üblichen Gestaltungen beliebt, dabei gleichmässigwie der Rock längs den Rändern, wenn nicht mit Borten, mit kostbaremPelzwerk besetzt.

Das lange, nun ceremonielle Staatskleid, noch immer der früherenhouppelande ähnlich, bildete einen vorn offenen, hier zum Knöpfen oderzum Nesteln eingerichteten weiten Rock, der mindestens bis zu denFüssen reichte, von Seide oder von Goldbrokat mit langen, engen odersehr weiten, einfachen oder doppelten Ermeln; in letzterem Falle so ge-staltet, dass wenn man sich nur des einen Paars (des unteren Ermelpaarsbediente), das obere dann frei darüber hing. Wurde das Kleid um dieHüfte gegürtet, was durchgängiger üblich war, so geschah dies gemeinig-lich mittelst einer aus goldenen und seidenen Fäden drillirten Schnur mitkostbaren Quasten an ihren Enden von zumeist künstlicher Durchbildung.Noch sonst aber wurde auch dies Gewand häufig mit Pelz verbrämt undgefüttert, dazu die höchsten Würdenträger, zugleich mit als Rangbezeieh-nung, fast ohne Ausnahme Hermelin oder Zobel zu wählen pflegten.Als Philipp der Gute bei seiner Vermählung mit Isabella. von Portugalin Brügge um 1430 den Ordendes goldenen Vliesss gestiftet, erschiener auf der danach in Lille um 1431 anberaumten Ordensfeier, so auchdie übrigen Mitglieder des Ordens, in einem mit Grauwerk gefüttertenund ausgeschlagenen hochrotlien Rock, welcher bis zu den Füssen reichte-darüber ein langes mantelförmiges Gewand von feinstem Ekarlat mitGold brochirt und durchgängig mitKleinspelt oder Pelzwerk besetzt;bedeckt mit einer turbanartigen breiten Wulst, von der herab ein doppel-