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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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189
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A. Tracht. Frankr., Engl. , Nieder!. — Amtsom. d. Geistl. (1300—1500). 18&

verzierten Mittelstreifen und davon zu jeder Seite gleichmässig nach vorne-hin abzweigenden Streifen von derselben Beschaffenheit. An diesen Strei-fen, statt dessen allein die päpstlichen Schuhe ein Kreuz schmückte,entfaltete sich die Verzierungskunst namentlich im fünfzehnten Jahrhun-dert in besonders ausnehmender Weise, dabei die Perl- und Goldstickereinebst der Verwendung von Edelsteinen die Vorherrschaft behaupteten.

3. Bei dem Hals- oder Schultertuch waren es vornämlich nurdie aufgenähten Verzierungen, welche den Kragen bildeten, xlaraii sich dieSticker- und Goldschmiedekunst in steigendem Grade bethätigte.

4. Auch bei der Alb a blieben es nur die verzierenden Besatzstücke(am Halse, an den Ermeln und am unteren Saum), die durch immerreichere Durchbildung eine Wandlung erfuhren. Dazu kam etwa um dieMitte des fünfzehnten Jahrhunderts der Gebrauch auf, sie unterhalb mitzierlich durchbrochener Linnenstickerei zu besetzen, was man, nach demOrt der Erfindung „opus Italicum“ benannte.

5. Der Gürtel wurde allmälig verkürzt, indem man sich damitbegnügte ihn nur einfach anzulegen; im Uebrigen aber nach wie vormindestens so lang belassen, dass er, vorn zusammengeschleift, bis zu denKnien herabreichte. Nächstdem dass man ihn noch fortdauernd aus far-biger Seide herstellte, pflegte man ihn nunmehr vorwiegend aus gold- odersilberdurchwirktem Linnen und, statt mit Thierfiguren gemustert, mitBlumenstickerei geschmückt zu tragen; an den Enden entweder mit Quastenoder mit Franzen ausgestattet.

6. Die Stole, zumeist mit dem Messgewande das darüber getragenward in Farbe und Musterung übereinstimmend, wurde immer reicherbestickt und ausser mit den dafür üblichen geometrischen Figuren, Thier-gestalten und Perleinfassungen, allmälig auch mit in Schmelz ausgeführten,bald runden, bald eekigen Goldblechen, und, so vornämlich im fünfzehntenJahrhundert, auch mit wappenartigen Bildern und mannigfach verschlungenenRanken- und Laubomamenten bedeckt; die Ausstattung ihrer Enden mitQuasten oder mit kleinen metallnen Glöckchen machte nach und nacheinem Besatz von langen farbigen Franzen Platz.

7. DerManipel, der in Allem wiederum der Stole entsprechen sollteerfuhr mithin unausgesetzt eine ihr gleiche Behandlung. *>

8. Von der Dalmatiea und Tunicella war es hauptsächlich dieerstere, deren noch fernere Bereicherung man sich angelegen sein liessDas vorwiegende Mittel dazu boten auch hier die Besatzstreifen, von denenman nun, ganz abgesehen von den beiden Langstreifen und den Rand-einfassungen der Ermel, des Halsausschnitts u. s. w., insbesondere die Zier'stücke auf Brust und Rücken und am unteren Saum, bei eben stets kostbarerer Durchbildung, mehr und mehr vergrösserte. Dies nahm etwa bis ge-endie Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts zu. Von da an jedoch begann man