198 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
dessen Einfluss in Deutschland , und von da aus mittelbar in den skan-dinavischen Ländern, die wirkliche Oberherrschaft zu gewinnen. Undauch dazu bedurfte es noch eine wenn auch verhältnissmässig kürzereEroberungszeit. Denn was in Frankreich in diesem Punkte bereits gegen1340 zu vollgültigem Austrag gedieh, fand und zwar vorwiegend inDeutschland in der gleichen durchgreifenden Weise nicht vor 1350 statt(vergl. S. 65; S. 49).
Etwa erst nach dreissig Jahren vermochten hier die Wandlungen,welche in Frankreich bald nach dem Schluss des dreizehnten Jahrhun-derts begonnen hatten überhaupt nur Platz zu greifen. Bis dahin ver-blieb man unbeirrt und ohne wesentliche Veränderung bei der gewohntenBekleidungsart, die, für beide Geschlechter gleichmässig, in ihrer tunika-ähnlichen Länge und zumeist faltenreichen Weite noch immer auf ihrenaltrömischen Ursprung so entschieden hindeutete (Fig. 95). Nur sehr
Fig. 95.
langsam schritt man dazu sie, auch nur ähnlich wie in Frankreich , zuverengern und zu kürzen. Kaum schon vor Ablauf dieser Zeit, siehtman von einzelnen Ausnahmen ab, gestaltete man sie zum Zuknöpfen,ja begnügte sich noch fast durchgängig sie entweder vermittelst Schnü-ren oder durch Hafteln zusammenzufassen. Während der folgenden zehnJahre erst, mithin von 1330 bis um 1340, nahm man allmälig Abstand