334 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
oberhalb zu verengern, und auch wohl selbst an Stelle desselben theilsdurchgängig engeranliegende Röcke der Art ( Fig. 146 a. b), theils enge,inwändig mit metallnen Ringen oder Schuppen besetzte Panzerjacken,die sogenannten „ghiazzerino ( jazerin, korazin“) 1 anzuwenden (S. 20).Nächstdem aber liess man sich gleich anfänglich eine schmückende Aus-stattung der verschiedenen Rüststücke besonders angelegen sein. Solange man sich noch vorwiegend nur lederner, hartgesottener Verstär-kungsstücke bediente, wurden diese lediglich mit metallnen Zierrathenbedeckt (Fig. 146 6); als sodann aber die ganz metallnen Platten auf-kamen, entfaltete sich an diesen selbst sehr bald eine eigene, überausreiche Verzierungskunst. Hiermit zugleich gewann auch die Form derVerzierung in steigendem Grade an Umfang und Wechsel. Bis dahin,zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts, hielt man auch in diesemPunkte noch ziemlich an der altrömischen Formengebung fest, wie solcheja die zahlreichen Reste des Alterthums genugsam darboten, die neu-gewonnenen Formen vorerst nur schüchtern damit verwischend (Fig. 146 b );von da an jedoch wandte man sich den neuen Formen mehr und mehrbis zur Ausschliesslichkeit zu, sic nun auch selbst noch für diesen be-sonderen Zweck in eigener Erfindung vermehrend. — Zwei der vorzüg-lichsten Verzierungsweisen, die man eben um diese Zeit zum Schmuckder Rüststücke in Anwendung brachte, waren das „A Hello“ und die„Tausia“ oder die Tauschierarbeit, auch „lavoro all’ azzimina, allagemina“ und „damaschino“ genannt. Das Verfahren beim Niello be-stand darin, dass man in das Metall Zierrathen und Figuren ziemlichtief eingrub, diese mit einer schwarzen Masse, aus Silber, Kupfer, Blei,Schwefel und Borax bestehend, ausfüllte und hiernach das Ganze sorg-fältigst abschliff und polirte; bei der Tausia dahingegen, dass man diegleichfalls tief eingegrabenen Zeichnungen mit geschlagenem Golde aus-legte. Beide Arten, von denen die letztere höchst wahrscheinlich vomOrient aus nach Italien übertragen worden war, fanden, zugleich mit derWaffenschmiederei überhaupt, dann vorzugsweise in Mailand, Florenz und Venedig ihre höchste Ausbildung, wo sich darin in nicht langerFrist einzelne Meister, wie unter anderen der Lehrer Benvenuto Cellini’s ,M ichelagnolo, auf das Rühmlichste auszeichneten. Daneben ward die„getriebene Arbeit“ („opus mallei“) nicht minder gefördert, dabei man
1 Eine als „Jazeran“ bezeichnete Bepanzerung kommt nach M. de Laborde(Notice des Emaux etc. du musee du Louvre. II. Paris 1853. S. 350) schonam 1260 vor und bedeutet nach demselben theils ein Geflecht von eisernenRingen, auch wohl die Ringe an sich, theils einen mit solchen Ringen (oderkleinen Blechen?) bekleideten Stoff; in dieser Form auch ,Jazequen£e" genannt,t ergl. meine Kostümkunde. Geschichte der Tracht nnd des Geräthes imMittelalter vom 4. bis zum 14. Jahrh. Stuttg. 1864. S. 646. N. 2.