342 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des IC. Jalirh.
ihrer darauf erfolgenden Vertreibung oder gewaltsamen Christianisirunghörte ihr Dasein auf der Halbinsel für alle ferneren Zeiten auf.
Zugleich mit der Ausbreitung der christlichen Macht musste auchder Einfluss schwinden, den die Mauren während ihrer fast sechshundert-jährigen Vorherrschaft auf die ihnen unterthänige christliche Bevölkerungausgeübt hatten. Freilich konnte dies nach einem so langen Vorgängenicht plötzlich geschehen, auch nicht gerade die mannigfachen Zweigeder Kultur, deren Begründung und Pflege man ihnen verdankte, nach-haltiger betreffen; wohl aber musste es, wenn auch nur allmälig, nament-lich in allen den Aussendingen statt haben, die ihrer eigentlichen ur-volksthümlichen Wesenheit nach im Grunde genommen doch weder demabendländischen Geiste der Stammbevölkerung entsprachen, noch mit demneubelebten Eifer für die Wiederbeförderung des Christenthums dauerndverträglich waren. Während der festen Herrschaft der Mauren, bei derenebenso kluger als milder Behandlung der Christen, hatte sich der reli-giöse Hass zwischen beiden mehr und mehr ausgeglichen. Und diesselbst bis zu dem Grade, dass auch wohl christliche Fürsten, wie unteranderem Alfons IV. , nicht Anstand nahmen, sich mit Töchtern von Kha-lifen zu verbinden. Ueberhaupt aber waren inzwischen arabische Sitteund Lebensweise auf die christlichen Unterthanen übergegangen. Dannaber, mit jenen beständigen Siegen, welche das Christenthum erfocht,wurde unter seinen Bekennern der alte Hass wiederum geweckt und als-bald dergestalt genährt, dass sie es, soweit es eben irgend die Lage derDinge gestattete, selbst wohl geflissentlich vermieden ihren Feinden,den Muhammedanern, auch nur ähnlich zu erscheinen. So vor allemschon frühzeitig in den nördlicheren Theilen des Landes, von da aussich zunächst vorzugsweise die christliche Macht ausgebreitet hatte.
Die nördlicheren Gebiete überhaupt waren zum Theil von der mau-rischen Herrschaft frei geblieben, zum Theil derselben bereits bis gegenden Ausgang des zwölften Jahrhunderts, ja bis über die Mitte der Halb-insel hinaus, wiederum entrissen worden, mithin auch dem maurischenEinflüsse bei weitem am wenigsten ausgesetzt. Auf sie vielmehr wirktevon vornherein das angrenzende Frankreich zurück, mit welchem ihreMachthaber sowohl auf Grund der Nachbarschaft, als auch aus staat-lichen Rücksichten, stets engere Verbindungen unterhielten. In Folgtsolches beständigen Bezuges und seiner sodann im dreizehnten Jahrhundertnoch besonderen Befestigung durch Knüpfung von Familicnbanden zwi-schen den Fürsten beider Länder und der dadurch hervorgerufenen An-sprüche und feudalen Erbfolgen, gewann das Aussenleben daselbst, wiehauptsächlich in Navarra, in Aragonien , in Leon und im NordenCastiliens, ein vorwiegend französisches Gepräge. Auch trug zur Be-förderung und noch weiteren Verbreitung eben dieses Einflusses jener