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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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348 U D® 8 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

in den mittleren Ständen, unausgesetzt ein farbiges, gewöhnlich ziemlichbreites Stück Zeug shawlförmig anzuwenden pflegte. Vielleicht dassselbst die derartigen Hüftbinden, welche noch gegenwärtig als „sacha“zur männlichen Volkstracht gehören, davon herzuleiten sein dürften.Dasselbe möchte etwa auch, wenn gleichwohl in beschränkterem Sinne,von dem noch heut unter den niederen Volksklassen bei den Männernmehrfach gebräuchlichen, buntfarbig gestreiften und eingefranzten weitenwollenen Decken gelten, deren sie sich als Mäntel bedienen. Dass aberauch, wie man wohl annimmt, von der bestehenden volkstümlichenTracht der eigentliche Mantel der Männer oder die sogenannte „capct“und sowohl das schwarze und kurze, verzierte Oberkleid der Weiber,die „basquina “, als auch deren Schleier, die „mantilla “, ebenfalls alt-maurischen Ursprungs sind, dürfte schwer zu erweisen sein. Wenigstensdeuten weder die wörtliohen Bezeichnungen dafür auf einen solchen Ur-sprung hin, 1 noch lassen gleichzeitige Verbildlichungen aus frühster Zeitbis zum sechszehnten Jahrhundert, sei es von Mauren oder Christen,etwas Demähnliches erkennen. Wahrscheinlicher also, dass diese Ge-wänder ihre gegenwärtige Durchbildung frühstens etwa erst seit demSchluss des fünfzehnten Jahrhunderts erhielten, höchstens mit Ausnahmeder „capa“, die mindestens in ihrer einfachsten Form, in der eines weitenRückenumTiangs, worauf auch der Name schliessen lässt, ja schon imhöheren Mittelalter allgemeinere Verbreitung gefunden hatte. —

Die nächste nachhaltige Wandlung, die jene wiederum verallgemei-nerte Bekleidung erfahren sollte, begann noch vor der Mitte des vier-zehnten Jahrhunderts. Sie vollzog sich gleich in weiterer Verbreitungund bestand, dem französischen Vorgänge folgend, in einer zunehmendenVerengerung der Obergewänder beider Geschlechter, und allmäliger Ver-kürzung derselben seitens der Männer. In wie weit dabei auch die ein-zelnen Besonderheiten in Aufnahme kamen, die, wie die verschiedenenAufschlitzungen, Vermehrung von Knöpfen, Schnüren u. s. w., in Frank-reich damit zusammenhingen (S. 58 ff.), lässt sich bei der nur äusserstgeringen Anzahl von bildlichen Darstellungen aus dieser Zeit nicht sagen.Indessen dürfte man auch darin, was ja zumeist überdies durch die soveränderte Form bedingt ward, als auch selbst wohl in Gestaltung dernoch anderweitigen Bekleidungsstücke, der Kopfbedeckungen, Fussbeklei-dungen u. dergl., dem fremden Vorbilde nachgeahmt haben. Für dieseAnnahme wenigstens sprechen mehrere Verbildlichungen aus der zwei-ten Hälfte des Jahrhunderts, sofern diese mit der seit der Mitte dieses

1 „Capa" ist dem mittelalterlich lateinischen „cappa“, was ein mantelartigesGewand mit weiten Ermeln bezeichnete, und „ mantilla “ dem französischen „man-telet" (Mäntelchen) uachgebildet; „ basquina “ aber von „Basken “, dem Js'amenfür die älteste iberische Bevölkerung Spaniens , herzuleiten.