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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Reiter fast immer gestiefelt erschien, so ging aus der bereits begonnenenSchwankung zwischen Schuh und Stiefel (S. 580) der letztere als Siegerhervor, worauf denn der Schuh wesentlich nur noch dem Erscheinen beifestlichen Gelegenheiten, so wie auch in geschlossenen Gesellschaften undauf Bällen, Vorbehalten blieb. Zunächst fand der hohe, enganliegendeeigentliche Reitstiefel mit seinem mehrtheilig geschlitzten Rande undlaschenartigen Sporenleder allgemeinere Aufnahme (Fig. 351). Doch trugman ihn nur beim Reiten hoch, sonst durchgängig ziemlich breit, meistbis zur Hälfte der Waden umgeschlagen (Fig. 353 a.). Demzufolgeward es üblich den Ueberschlag längs dem Rande zu besetzen, und sichneben diesen hohen, immerhin wenig bequemen Stiefeln, namentlich )ur

Fig. 355.

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den gewöhnlichen Verkehr anderer, bedeutend kürzerer, mit weitererOeffnung zu bedienen, was zugleich mit sich brachte, dass diese nunmehrneue Form selbstständig, und so denn auch mehrentheils bis zur Umform durchgeblldet wurde. Es betraf dies nächst der Kürzung haupt"sächlich den Obertheil, und begann vor allem damit, dass dieser sichscnon kurz über dem Hacken breit trichterförmig erweiterte, vorherr-schend dergestalt, dass er sich, auch seiner jetzigen Verstärkung wegen,nicht mehr zum Umschlagen eignete (Fig. 352 b] Fig. 354 a ; Fig. 356 a).Wo solches, wie eben bei noch minderer Weite und geringerer Verstel-lung dennoch gelegentlich statt hatte, erhielt der Umschlag gemeiniglicheinen Schmuck von manschettenartig überfallendem Spitzenwerk (Fig^54 bf