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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1099
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A. Tracht. Amts-Ornat der (englisch .) Geistlichkeit (16001700). 1099

Innocenz XII. mit einem im Jahre 1693 dagegen gerichteten Verbotirgend weiter durchzudringen, als höchstens bei seiner näheren Umgebung,wie sich denn gleich sein Nachfolger, Clemens XI. , veranlasst fand, jenesallgemeine Verbot im Jahre 1703 zu erneuern.

Innerhalb der englisch -bischöflichen Kirche bereitete sich, zu-gleich mit den Neuerungen, welche ihre Liturgie durch William Land,Erzbischof von Canterbury , etwa seit 1630 in wiederum mehr katholischemSinne erfahren sollte, auch rücksichtlich des Ornats ihrer Geistlichkeiteine dementsprechende Wandlung vor. William Laud , einem kirch-lichen Schaugepränge überhaupt sehr zugeneigt, suchte dem kleidlichenErscheinen der Priestersehaft seinen einstigen Pomp wieder zu gewinnen.An einem vielfach heftigen Gegendruck fehlte es freilich nicht; indessengleichwie er denselben, ausser in Schottland , überwand, und die neueLiturgie einführte, so auch gelang es ihm wenigstens die englischenBischöfe zur Wiederaufnahme einiger der hauptsächlichsten Stücke desalten (katholischen) Ornats zu bewegen. Es waren diese Stücke, jetztallerdings auch hier in ihren bereits abgeschwächten Formen, nächst dembis auf die Füsse reichenden Chorhemd (röchet), nunmehr aber amUnteren Rande vorn, sowie auch längs dem Halse mit Stickerei verziert,Und nächst dem ebenso langen, vorn offenen Uebergewande (chimere'),der Chormantel (pluviale) von reichstem durchwirkten Stoff mitbreiter Randverbrämung, die Bischofsmütze (mitra ) mit den beiden,rechts und links herabfallenden Laschen (infulae), und der Bischofs-stab (pastorale). Auch ward es bei der höheren Geistlichkeit nundurchgängig üblich einen Lippen- und Kinnbart zu tragen, jedoch auchden letzteren, alsbroad- odercathedral beard, zum Unterschiedev on den sonst gebräuchlichen Vollbärten, breit-viereckig zuzustutzen.Demgegenüber beharrten die geistlichen Vorstände aller der Secten,Welche als Dissenters oder Nonconformisten die Grundsätze derbischöflichen Kirche nicht theilten, auch in ihrem kleidlichen Verhaltenbei der von ihnen fast ohne Ausnahme schon von vornherein beobach-ten Form: So vor allem die Puritaner und die Independenten,bei welchen eine priesterliche Abzeichnung, ausser in Zurschaustellunghöchster Einfachheit, überhaupt nicht bestand; demähnlieh aber auch dieEaptisten und die Presbyterianer, nur dass diese, hauptsächlich dieletztem, das von ihren ersten kirchlichen Vertretern mehrentheils getra-gene lange schwarze (Doctoren- oder Gelehrten-) Kleid auch für ihrefolgenden Vertreter als zulässig erachteten.

Mit dem wachsenden Uebergewicht der Puritaner, vorzüglich wäh-rend der Herrschaft Oliver Cronvwells, nahm die bischöfliche Kirchev on dem äusserlichen Pompe, dem sie ja ohnehin mehr gezwungener-Oäassen gefolgt war, allmälig wiederum Abstand. Dazu kam die durch