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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1168
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1168 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis'auf die Gegenwart.

Uebergang zu gemiissigterem Verfahren, dies Alles, vorerst noch ver-mehrt durch den Mangel an Einigkeit und festerer Thatkraft zur Abwehr derauswärtigen Feinde, gab dem gesammten Aussenleben, ja nahezu wie miteinem Schlage ein völlig anderes Gepräge, das Gepräge einer Mischungvon tiefgehender Ernüchterung und übertriebenem Naturalismus, theilsbis zu selbstgefälliger Verleugnung eigenvolksthiimlicher Ueberlieferung,.mit absichtlicher Anneigung und eiteler Hervorhebung eines schauspiel-massigen Gebahrens. Wohl anfänglich mit unterstützt durch dieAn-glomanie, löste diese sich nun darin auf.

Dass dann unter dem Directorium (seit 1795) die Republik sich nachAussen vorwiegend siegreich behauptete, kam freilich ihrer Stellung zuGute, jedoch beschleunigte auch andrerseits den Bankrott des Staats.Zudem aber war die Weise, in welcher die Verwaltung ihre Vollmachtbis zur Gewaltherrschaft ausübte, nicht dazu angethan die Verfassungzu festigen. So denn hatte das Directorium auch wohl allen Grundeine Kraft wie Bonaparte zu fürchten, und folgends, etwa um sie fernzu halten, in Aegypten zu beschäftigen. Jedoch wie er mit einem Adler-blick die Dinge überschaute und, die ihm günstige Gelegenheit erfassend,sofort nach Frankreich zurückeilte, sah er sich nach nur kurzem Wider-stande (1799) im Vollbesitz der Regierungsgewalt. Sich durch die über-raschenden Siege seiner neu geschaffenen Heere, durch seine klug berech-neten Friedensabsehlüsse (18011802), und seine zur Herstellung derOrdnung erfolgreichen Maassnahmen vollends befestigend, erhielt dasReich dann mit ihm selber (1804) wiederum ein unumschränktes Ober-haupt, und damit auch wiederum-, was dem Lande, wie vor allem derHauptstadt schon seit länger Bedürfniss geworden war, einen glänzendentonangebenden Hof.

Spanien , durch die Kriege mit Frankreich aufs tiefste erschüttert,hatte wenig mehr zu verlieren, als nun das Haus Bourbon inPhilipp V. (1700) den Thron bestieg. Zudem war Philipp selber, beiseinem Hange zur Unthätigkeit, seiner Schwäche und Beschränktheit,eben auch kein Gewinn für das Reich, während letzterem überdies dieKämpfe, welche seine Erhebung mit sich brachten, abermals (1714) zahl-reiche Gebiete (Belgien , die Besitzungen in Italien , Sardinien , Sicilienund Minorka) kosteten. Das Volk an sich aber bewährte auch gegen-über diesen Schlägen und der dadurch fast gänzlichen Vernichtung derQuellen seines Wohlstands seinen ungereimten Stolz, der ihm jede nütz-liche Bethätigung geradezu als unehrenhaft erscheinen liess. Im Gan-zen unterschied der König sich, trotz seiner französischen Abstammung,von seinen Vorgängern so wenig, dass er sehr bald in Allem einemgeborenen Spanier glich. Da war es denn allerdings immerhin noch einGlück, dass das Land in der Königin Elisabeth Farnese von Parma