Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
1177
JPEG-Download
 

Geschichtliche Febersicht.

1177

Frankreich selbst zahlreiche Nachäffer fand (S. 1166), und damit auchden französischen Einfluss überhaupt herabstimmte.

Die vereinigten Niederlande mussten durch die Erhebung Wil-helms (III) zum Könige von England an Bedeutung verlieren. Holland namentlich, da in allen seitherigen Friedensschlüssen beeinträchtigt undvon Frankreich beständig bedroht, überdies nun inmitten der Rüstungengegen letzteres durch den Tod Wilhelms (1702) in die dadurch in sämmt-lichen Provinzen sich erhebenden Streitigkeiten um die Erbfolge zumeistverwickelt, konnte einer Abschwächung seiner Interessen schwer begegnen.Der von den Ständen im Verein mit England und Oestreich gegen Frank­ reich geführte Krieg war ebenfalls nicht angethan die Lage zu bessern.Zudem dass seine elfjährige Dauer (bis 1713) durch einen Aufwand vonsechs Millionen Gulden die schon höchst gesteigerte Staatsschuld belastete,war sein wesentliches Ergebniss, derBarrierevertrag (1715), ein zugeringes, um dafür auch nur entfernt zu entschädigen. Ebenso bliebdie bald darauf (1717) mit Frankreich und England, sowie auch die dann(1718) mit Oestreich abgeschlossene Verbindung, welcher (1719) die Ge-neralstaaten beitraten, ohne eigentlichen Gewinn. Bei allendem wirkteauf den bereits sich vermindernden Handel die durch Karl IV. (1722)in Ostende begründete Handelsgesellschaft für Ostindien nicht allein wäh-rend ihrer Dauer (bis 1731), sondern auch in ihren weiteren Folgen nocheigens lähmend zurück. Die Vortheile aber, welche den Generalstaatenaus den von ihnen mit dem Kaiser (1731) geschlossenen Handelsvertragin Wahrheit hätten erwachsen können, wurden durch den öslreichischenErbfolgekrieg (seit 1740) völlig nichtig. Und wie es diesen Staaten dennnicht gelang in dem Kriege neutral zu bleiben, sie vielmehr durch Ilülfs-leistung an Oestreich wiederum mit Frankreich verwickelt wurden, unddies sodann (17441748) ganz Belgien überschwemmte, auch tief inHolland eindrang, sanken Ansehen und Macht des Landes, noch durchden Verfall seiner Flotte und innere Wirren beschleunigt, unaufhaltsamtiefer.

Fast gleichmässig aber ging mit der so steigenden Ungunst derHinge auch dem Volke selber der Trieb und feste Wille zu möglicherAbhülfe verloren. Sich in trocknem Selbstgenügen wiegend, hielt es anseiner Verfassung fest, ohne dem Gange der Zeitverhältnisse thunlichstRechnung zu tragen. Auch der Prinz Wilhelm von Oranien , nachdem eraus den Parteikämpfen als der erste Generalstatthaltcr über sämmtliche siebenF*'oyinzen als Wilhelm IV. mit dem Rechte der Vererblichkeit der Würde(1748) hervorgegangen war, änderte im Wesentlichen nichts. Und ebensoblieb es nach seinem Ableben (1750), wenigstens in dem Punkte, wäh-rend der nunmehr vormundschaftlichen Verwaltung für den erst dreijäh-rigen Wilhelm V. durch dessen Mutter Anna von England und den