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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1188
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Ill88 Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

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thümliche Masshaltigkeit von ihrem Geleise, vorzüglich innerhalb derhöheren und der bemittelteren Stände, zu Gunsten einer Aneignung undVerbreitung von einer sich mehr, hauptsächlich nach französischem Vor-bilde verfeinernden, leichtfertigeren Lebensweise ab.

Doch noch ehe diese Abschwankung sich nachhaltiger vollziehensollte, ward dem Reiche in Friedrich V. (17461766) nun wiederumeine Kraft zu Theil, stark genug um mit fester Hand den Schäden abzu-helfen und dem eingeschlagenen Gange, ohne ihn gerade aufzuhalten,doch eine gedeihlichere Richtung zu geben. Sein klarer Geist, geleitetvon edelster Vaterlandsliebe, gestützt auf den ebenso edelen Sinn seinesMinisters Johann Bernstorff, durchdrang alle Verhältnisse, gerade mitRücksicht auf die Volkstümlichkeit in weiser Mässigung bestrebt, sicfür das Gemeinwohl auszugestalten. Neben steter Hebung der innernVerwaltung, gab Friedrich der Kunst und Wissenschaft durch ernsteFörderung einen fortwirkenden Schwung, und durch Einleitung der Auf-hebung der bäuerlichen Leibeigenschaft dem Gesammtleben höhere Kraft.Der Nachtheil aber, welchen die Umschaffung des Kriegwesen durch dennur zu leichtfertigen französischen Grafen St. Germain mit sich brachte,blieb vorerst noch unerkannt, da der Krieg, mit welchem Russland wegender Besitzergreifung der Länder des verstorbenen Herzogs FriedrichKarl von Holstein-Plön (1761) drohte, durch den Tod des Czaren Peter 111abgewendet ward.

Da unter so glücklichen Umständen Christian VIT. (17661808)folgte, durfte das Land auch von diesem Könige nach allen seinen An-lagen, seinem Geiste und guten Herzen, nur das Trefflichste erwarten.So auch bewies er von vornherein durch den Beibehalt des würdigenBemstorffs , wie auch insbesondere durch die Weise, in welcher er dieAufhebung der Leibeigenschaft beschleunigen half, dass er durchausgesonnen sei die Erwartung zu rechtfertigen. Doch dem Wollen ent-sprach nicht die Kraft. Und wie diese, schon an sich gefährdet durchdie dem Könige eigene Sinnlichkeit, dann während seines Aufenthalts mParis unter den Wirkungen seiner ausschweifenden Lebensweise baldselbst zur Geistesschwäche erlahmte, war damit auch dem Fortgangzum Besseren der Weg verlegt. Die nun aber nach der VerdrängungBemstorffs (1771) durch Struensee, von diesem sofort allseitig unter-nommenen Veränderungen, wie mancherlei Gutes sie auch beabsichtigten)schnitten denn doch gleich so gewaltsam ein, dass alle Ordnung zu wanke»

begann, und die dadurch erzeugten Wirrnisse auch dann noch, als dieKönigin Mutter Caroline unter Wiederberufung Bemstorffs die Zügel derRegierung ergriffen hatte, und so auch noch nach der Einsetzung Iriedrichs VI. zum Mitregenten (1784), fortwucherten. Indessen, wie heftigauch die Parteien sich bekämpften, zog der Streit sich doch mehr uu