Geschichtliche Uebersicht.
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die echt deutsch landesväterliche Weise, in welcher er das vollzog,die treue Liebe seines Volks. — Und wie dann in der Zeit der Prüfungauch wesentlich sie mithalf, das Land nach dem bitteren Frieden zuTilsit (1807) emporzuheben, so auch trug zu dem ferneren Gedeihen vorallem sie das ihrige bei. Auch fand in ihr zugleich das deutscheWesen seinen kräftigsten Hebel. Durch Friedrich Wilhelm II. ermun-tert, sich aus seiner Französirung zur deutschen Eigenheitlichkeit zu be-freien, wuchs diese in dem gleichen Maasse, in welchem es glückte sichvon der französischen Gewaltherrschaft zu verselbständigen. Mit demruhmvollen Abschluss dieses Ziels, brach das Deutschthum völlig durch,ja zum Tlieil sich überstürzend. Und dies nun nicht allein in Preussen,sondern auch, wenn gleich merklicher erst nach dem Sturze Napoleons in den übrigen rein deutschen Staaten, vorzüglich in den nördlicheren.
Dänemark erhielt an Friedrich II. (1700—1730) ein an Güte undTrefflichkeit seines Vaters würdigen Herrscher. Dass er sich genöthigtsah den Krieg wegen Schleswig zu beenden , und auf dessen Besitz zuverzichten, gab dem Lande immerhin die Ruhe sich selber gedeihlichfortzuentfalten, wie zugleich die innere Festigkeit den Schweden entgegen-zutreten (1709) und den Kampf mit ihnen zu seinem Vortheil durch-kämpfen zu können. Die Umsicht aber mit der der König sich dieFörderung der inneren Verwaltung angelegen sein liess, kam dem Ganzendauernd zu Gute. Nach allen Seiten hin wohlthuend eingreifend, unddabei als kluger Haushalter nicht allein die Kriegsschuld tilgend, sondernÜberdies einen Schatz von mehr als vierhundert Millionen ansammelnd,mithin auch darin als Beispiel voranleuchtend, blieb auch unter ihm dieWohlhabenheit in stetem Steigen begriffen, und damit auch die Lebens-form hinsichtlich ihrer Fortgestaltung in dem einmal gewohnten Geleiseerhalten.
Die seinem Sohne und Nachfolger Christian VI. (1730—1746) kaumminder eigene Wohlgesinntheit würde eine solche Steigerung dann 'wohlnoch um vieles beschleunigt haben, wenn diesem eben nicht eine allzubefangene Frömmigkeit und ausserdem eine ganz besondere Hinneigung zuforstlichem Prunke eigen gewesen wäre. Indessen, wenngleich er aller-dings durch seine zumeist ebenso kostbaren als zwecklosen frommenStiftungen, wie durch Errichtung von Prachtschlössern und einen jedes■^laass überschreitenden Hofaufwand das Reich mit Schulden belastete,tru g anderseits doch auch er, ja zum Theil selbst dadurch zur Hebungv °n Handel und Gewerbthätigkeit, noch insbesondere aber, wie namentlichforrch seine Stiftung der Akademie zu Kopenhagen , zur Förderunggeistiger Interessen bei. Sein ungemessener fast „byzantinischer“ Auf-wand freilich blieb nicht ohne nachtheilige Rückwirkung , so auf dasäussere Verhalten im Allgemeinen. Es lenkte die bisherige noch volks-