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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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Und da das Heer nun überdies, durch allzugrosse Härte des Königsgereizt, sich selbst gegen ihn verband, sah letzterer sich schon kaumnach einem Jahre (1809) gezwungen der Krone und Erbfolge zn entsagen,zu Gunsten des Herzogs Karl von Södermanland.

Die noch weitere Folge aber war dass der Herzog, nun als Karl XIII .

*(18091818), noch bevor er den Thron einnahm, eine neue, wiederumbeschränkte Verfassung bestätigen musste, und dass gleich fortan derAdel alles aufbot seinen verlorenen Einfluss wieder zu gewinnen.Auch gelang dies jetzt um so eher, da die völlige Erschöpfung eine Fort-führung des Krieges geradezu unthunlich machte, Russland erobernd vor-drang und auch Dänemark sich nun um so bedrohlicher zeigte. Der mit-hin auch alsbald abgeschlossene Friede (1809) indessen konnte, wie ja ebendie Dinge lagen, die Adelsbestrebungen nicht wohl hindern. Als Thron-erben hatte Karl selber, im Hinblick auf sein Alter und da ohne Kinder,den Prinzen Christian von Holstein-Sonderburg-Augusienhurg bezeichnet.Jedoch, da dieser bald darauf starb (1810) bestimmte der Reichstag zumNachfolger den wegen seiner Wohlgesinntheit und Leutseligkeit allge-mein beliebten französischen Marschall Bemadotte. Sich, nun als Karl Johann allseitig wirksam erweisend, dem Eingreifen Napoleons wehrend,auch, vereint mit Preussen und Russland helfend ihn vollends nieder-zuwerfen (1813) gelang es ihm dann das nach dem Tode Karls XIII.(1818) ihm zufallende Reich zu weiterem Gedeihen emporzuheben.

Die Schweiz konnte vorerst noch nicht zur Ruhe kommen. Dochlag eine Ausgleichung nun nicht mehr fern. Mit dem wiederholtheftigen Kampfe der katholischen und reformirten Kantone, mit der da-durch jetzt im Frieden zu Arau (1712) erreichten gegenseitigen Gleich-berechtigung, fand auch dieser Streit, abgesehen von nur noch ver-einzelten, auch stets bald vermittelten Unruhen, sein Ende. Fortan wares der Republik vergönnnt sich bis in den Anfang der neunziger Jahre,unberührt von den auswärtigen Händeln, in sich selbst fortentfalten zukönnen. Wohl auch wusste das Volk im Ganzen dies für sich auszu-nützen, seinen Wohlstand fester zu gründen und zu vermehren. Abereben auch das Glück eines steigenden Wohlergehens bei so abgeschlossenerRuhe machte es lässig, insbesondere die Verwaltung geistig träge. Vor-wiegend nur innerhalb der Bevölkerung einzelner der grösseren Städtebegann allmälich sich ein Bedürfniss nach zeitgemässen Neuerungen zuregen, welches dann, genährt durch mancherlei Sonderbestrebungen, dieBefriedigung zu erzwingen versuchte. Hie und da bildeten sich Parteien,die gegen Misstände ankämpften, und solche gelegentlich mit Gewalt,wie in Genf (1738), in Bern (1749) und anderweit (17651781), mehren-theils unter Mitwirkung Frankreichs beseitigten oder doch minderten.Die Verwaltung indessen beharrte in Lässigkeit. Ohne die ihr gebotene,