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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1192 FV D® 3 Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts his auf die Gegenwart.

so dessen voraussichtlich günstigen Erfolg geradezu absichtlich untergrub,vermochte sie, bei der nunmehrigen Stellung des Königs, dennochnicht durchzudringen. Gerade gegensätzlich musste sie, trotz alles Wider-spruchs geschehen lassen, dass auf dem Reichstag von Gothenburg (1789)die Stände unter Ausschluss des Adels die Wünsche des Königs ge-nehmigten, und dass dieser den Bürgern das Recht zuerkannte Adels-güter zu erwerben. Nach solchen Vorgängen allerdings war es demKönige nicht mehr vergönnt, den Krieg in der gehofften Weise durchzu-führen, trotzdem aber ihn im Frieden zu Wärela (1790) ohne irgendwelchen Verlust an Land und Würde zu beschliessen. Der Adel in-dessen ruhte nicht, vielmehr fühlte sich im Hasse gegen den König, nunauch noch durch sein Bündniss mit Rusland (1791) und durch denReichstag von Gefle (1792), nur um so heftiger angespornt. Und da ihmdie Aussicht benommen war sich offen erheben zu können, suchte erdies durch geheime Gewaltthat, durch die meuchelmörderische Hand vonAnckarströms zu erreichen. Doch hatte damit auch die Partei, ohneetwas zu gewinnen, nun selber sich das Urtheil gesprochen.

Wohl that jetzt der Vormund des erst vierzehnjährigen Gustavs IV.,der Herzog Karl von Södermanland nach Kräften das Seinige die Dingeim Gange zu erhalten. Indessen hatte auch er zunächst eine abermaligeVerschwörung zu unterdrücken, ausserdem mit den Nachwirkungen derTheuerung zu kämpfen, und der drohenden Haltung Russlands zu be-gegnen, so dass denn Gustav IV. bei Uebernahme der Regierung (1796)immerhin genug zu thun vorfand. Auch blieb der junge König nichtlässig, sondern suchte sofort durch Sparsamkeit im Hofstaat und der Ver-waltung, wie durch Neubelebung des Landbaues und Vermehrung derSeemacht vielseitig fördernd einzugreifen. Doch wiederholte Theuerungund dadurch zunehmend verschärfte Unzufriedenheiten stellten sich auchseinen Bestrebungen entgegen. Die Spannung mit Russland fand zwardurch den Regierungsantritt des Czaren Paul I. (1796) ihr Ende. Näehst-dem aber erwuchsen dem Könige dann aus seinem Eintritte zur nordischenNeutralität (1800) Schwierigkeiten und Kämpfe, denen weder er noch dasReich gewachsen war. Den Reibungen seitens England wusste er wohldurch ein Bündniss mit demselben (1803) gewissermassen ein Ziel zusetzen. Aber sein bald darauf erfolgender Beitritt zu der VerbindungEnglands und Russlands gegen Frankreich (1805), und seine Vereinigungmit Preussen gleichfalls dagegen, kostete ihm, obschon er mit Englandgegen Napoleon aushielt, in Folge des Geheimbündnisses Frankreichs mitRussland , ganz Finnland (1808), und veranlasste ausserdem Dänemark ,nunmehr in Verbindung mit Russland , ihm auch den Krieg zu erklären.Dem Allen nachhaltig widerstehen zu können, reichten die Mittel desLandes nicht aus. Staatsschatz und Heer waren nur zu bald erschöpft-