A. Tracht. Frankreich . Kleidung der “Weiber (1700—1750). 1211
Bepuderung. — Demgegenüber vermochte der Bart sich in keiner Weisemehr zu behaupten, auch selbst nicht in der Spärlichkeit auf die er be-reits eingeschränkt war, höchstens mit Ausnahme bei einigen mehr fremd-ländischen Truppenkörpern, wie den Croaten und Husaren. — Als Kopf-bedeckung verblieb der dreieckige Hut („ätrois cornes“) von schwarzerSeide oder Biber mit Randbesatz und umlaufender „ plumage Dochmit der Perrücke schrumpfte auch er zusammen*, während es nun, umdiese zu schonen, vorwiegend üblich ward ihn nur noch in der Handoder unter dem Arm zu tragen. Demnach aber gestaltete man ihn auchschon bald mehrentheils mit nur zwei einander gleichen Krempen, zumZusammenklappen als „ claque ,“ dann auch seinen Schmuck zumeist,unter Verminderung oder Aufgeben der plumage, auf einen schmalenRandbesatz, eine gewöhnlich goldene Borte beschränkend.
Nebenher erhielten sich im Ganzen ohne besondere Neuerung dieHandschuhe von feinem Leder oder Seide, der Spazierstock mitschmuckvollem Knopf, nun häufiger mit einer zierlichen Handschnur ver-sehen, der Degen, jetzt unter der Westabefestigt, gemeiniglich mit einemGriff aus Stahl von reicher, glitzernder Durchbildung, und die oft höchstkostbar behandelte Uhr, wozu etwa seit Anfang der dreissiger Jahre mitder Verallgemeinerung des Tabaksschnupfens eine Tabaksdose („taba-tibre a ) als ein vorzügliches Prunkstück kam. —
Nicht ganz so verhielt es sich mit der weiblichen Bekleidung.Zwar erfuhr auch sie bis gegen Ende der Regierung Ludwigs XIV, mitAusnahme geringer Veränderung im Einzelnen, wie in Anordnung der„falbalas des Schleifenwerks, der kleineren Umhänge („mantilles“)u. dgl., keinen eigentlichen Wechsel (vergl. Fig. 392 a b; S. 1015), im-merhin aber wurde ihr noch unter seiner Herrschaft, ja sogar «mittelbardurch ihn selber, ein Anstoss zu nachhaltiger Umwandlung gegeben:
Es war im Jahr 1714 als auf einem Hoffeste zu Versailles zweivornehme Engländerinnen mit niedrigem Kopfputz und in leicht ausge-steiften (Reif-) Röcken erschi<?nen, was denn nicht geringe Verwunderungerregte. Dem Könige indessen gefiel diese Tracht, und besonders dieAnordnung des Kopfs so sehr, dass er darüber äusserte: „Wenn doch diefranzösischen Damen nur so verständig wären, ihre lächerliche Coiffüregegen jene zu vertauschen.“ Eines Weiteren bedurfte es nicht. Alleswas zum Hofe zählte, eilte dem königlichen Wunsche, der ja ohnehinals Befehl galt, zu entsprechen, die Fontangen zu beseitigen und sich inähnliche Roben zu kleiden: Eine Neuerung, der alsbald die übrigenKlassen sich anschlossen.
1 Vergl. Martinet-Montfleury. La töte et le chapeau eto. 2 Edit,Paris 1852. 8. 24 ff.