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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1245
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung im Aligcm. der Männer (1790—1S04). 1245

Doppelkragen unibiegend, und verminderte oder erweiterte sich der da-von ausgehende Brustüberschlag. Zugleich gestalteten die Schösse sich,nicht minder in Uebcreinstimmimg damit, bald länger und spitzer, baldkürzer lind breiter, während es nebenher, ebenfalls abwechselnd, beliebtwurde die vordere Oeffnung (einseitig) mit nur einer Reibe Knöpfe, wieauch, zum rechts- und links Uebcrschlagcn, mit zwei Reihen zu versehen(vergl. Fig. 402 a). So in beständigem auf und ab setzte dies sich bisins Jahr 1795, vereinzelt auch noch weit länger fort, nunmehr im All-gemeinen jedoch eben d i e Gestaltung gewinnend, die dem allmälig einZiel setzte, eine Gestaltung, die bereits im Wesentlichen der des nochheut üblichen Fracks oder Leibrocks glich (Fig. 402 b). — Gleichmässigdamit gestaltete sich neben dem bisherigen vorn herab gerade belassenen„fraque “ und der eigentlichen „redingote, “ hauptsächlich in engeremAnschluss an letztere, ein vorn gerade abfallender, neumodischer Ober-rock. Dieser hinsichtlich der Form des Halskragens, der Brustüber-schläge, w r ie auch der Knöpfe, zunächst ganz ähnlich wie jener Frack,so auch in Länge und Weite wechselnd, erhielt dann mit diesem eben-falls eine durchweg festere Form. Auch sie denn entsprach bereits imGanzen der des heutigen Oberrocks, und wechselte demgemäss auchfortan, abgesehen von den Uebertreibungen wie solche die „ incroyables “beliebten (Fig. 401 c), nur noch in Nebendingen. — Und dazu kam nun,etwa seit dem Jahre 1792, auch noch ein zweiterOberrock, oder vielmehrein besonderer Ueberziehrock („ surtout“) auf. Dieser, vornämlich fürden Winter bestimmt, und von dem anderen Oberrock zuvörderst fast nurdurch mehre Weite, wie seine Bestimmung erforderte, und grössere Längeunterschieden, wurde dann folgends gelegentlich, ganz ähnlich dem eng-lischen: Reitrock („cam'cfc“) mit mehren, zwischen vier bis acht überein-ander befestigten, sich nach unten vergrössernden Schulterkrägen ausge-stattet (vergl. Fig. 402 c).

Auch die Weste folgte wesentlich derselben Wandlung. Zu denan sich durchweg knapperen und ziemlich schmucklosen Röcken, wmlltedie alte Schossweste, auch die bereits gekürzte, nicht mehr wohl passen.Schon gleich bei der ersten Aufnahme des „ fraque ä Vanglais“ machtedies sich geltend. Jeder, der sich dazu verstand, fühlte sich sofort ver-anlasst jene denn selbst bis zur Taille hinauf zu verschneiden. Hiermitaber hatte sie nach unten hin auch ihre Grenze für die Dauer erreicht.Nicht ganz so indessen nach oben hin. In dem Funkte behielt auch siesich einen freien Spielraum vor, ja auch ohne sich hierin von dem Frackesogleich mit fortreissen zu lassen. Zunächst vielmehr, gerade umge-kehrt behauptete sie sich, dessen Kürzung ungeachtet, in der ihr jetztzuertheilten Länge (Fig. 402 a). Und auch dann noch, als sie sich aller-dings herbeiliess dessen Kürzungen mitzumachen, blieb dies immerhin