1246 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
mehr nur vereinzelt. In allem Uebrigen dagegen hielt sie mit dem Rockziemlich Schritt, wie denn insbesondere hinsichtlich des Knopfbesatzesund der Brustüberschläge. Letztere vorerst ziemlich klein und im Vereinmit dem unteren Theil bis zum Hals hin geknöpft getragen, wurden ebenspäterhin wie die des Rocks, so vorwiegend in den Jahren von 1795 bis1798, zunehmend, theils sehr beträchtlich vergrössert, und nun auch meistüber den Rockaufschlägen in ganzer Breite ausgelegt, wobei bisweilennoch eigens beliebt ward, obschon nur vorübergehend, zwei Westen über-einander anzuziehen. — Den Brusttlieil über der (geöffneten) Westebedeckte theils wie vor der abot ,“ fortan jedoch zumeist als eine nurschmale Krause, anderntheils, und dies jetzt immer allgemeiner,' lediglichdas nur leicht gefältelte Hemd; letzteres gelegentlich mit einer Agraffeoder Busennadel geschmückt. — Das für den Hals bestimmte Tuch, an-fänglich einfach umgeschleift, ward in der Folge, vorzüglich vom Jahre1793 bis in 1795, gemeiniglicher sehr hoch hinauf, mitunter bis über dasKinn hin umgelegt, nicht selten auch verdoppelt: Eine Weise, die einzelneStutzer selbst bis gegen den Schluss des Jahrhunderts fortsetzten. Hier-von abgesehen, und ebenso davon, dass diese grünen Tüchern den Vor-zug gaben, ward es seit jener Zeit ziemlich allgemein ein schmales Tuch,hauptsächlich von schwarzer Seide, nur bis gegen das Kinn hin, leichtgebunden, selbst ohne Vorderschleife zu tragen, was sodann unter demConsulat zu der Anwendung von wirklichen, doch immer noch demähn-lichen „Halsbinden“ führte.
Die Beinbekleidung wollte sich zu einer Neuerung am schwer-sten verstehen, musste sich aber dennoch dem gleichen Wandlungsgesetzefügen. Indessen bei der Zähigkeit, mit welcher sie sich zu behauptensuchte, blieb ihre Unterwerfung denn nicht nur auf lange hin eine sehrzweifelhafte, vielmehr auch überhaupt noch bis tief ins nächste Jahrhun-dert eine getheilte. Obschon die Wandlung sich fast gleichzeitig mitder des Fracks allerdings ankündigte (Fig. 402 a), auch damit (seit 1791)vereinzelt gewissermassen Schritt hielt, griff sie eben doch keineswegsauch nur irgend wie entschiedener durch. Wie weit auch diese Wand-lung sich verbreitete, bestand daneben die seitherige Kniehose („ culotte “)nebst Strümpfen („bas“) und Schuhen („ escarpins “) mindestens bis zuEnde der neunziger Jahre noch in überwiegendem Maasse nahezu ohneVeränderung fort (vergl. Fig. 402 b; Fig. 403 c), auch noch fernerhinsich vielfach erhaltend, sowohl im alltäglichen Verkehr wie ganz beson-ders, und zwar geradezu als ein Erforderniss des Anstands, als höfischeund sonst festliche Tracht. — Die Wandlung selber äusserte sich gleich-sam in einem Rangstreitc der Kniehose und des en gen Pantalons . Schonbald nach Schluss der achtziger Jahre wagten es Einzelne, jene über dieHüften und die Knie hinaus zu verlängern (Fig. 402 a). Nicht lange