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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1256 IV- Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

enge Begrenzung einer Hof- und Staatstracht verwiesen, ja umfolgends, mindestens seit dem Jahre 1820, fast nur noch als Bedienten-tracht fortzudauern. So nun auch sah sich der Kaiser selbst schonbald, nach Verlauf von wenigen Jahren veranlasst dem grossen ZugeRechnung zu tragen, und von solcher Ausstattung für seine Person ab-zustehen. — Noch weniger, wie die männliche Kleidung, wollte sich dieweibliche einem derartigen Vorgehen fügen. Diese, von der unterLudwig XVI. zumal so gänzlich verschieden, machte auch selbst nichteinmal den Versuch zu einer Rückkehr. Bei allendem aber blieb einsolches Bemühen keineswegs völlig ohne Einfluss. Ja auch äussertedies sich nicht etwa bloss in*Einzelheiten, sondern, obschon allerdingslangsamer, auch im Ganzen, das dann eine zunehmend bestimmtere,strengere und straffere Gestaltung erhielt.

Die männliche Bekleidungsweise nahm, doch ohne sich im Uebri-gen wesentlich zu verändern, ein mehr der militärischen Erscheinungähnliches Gepräge an. So wenigstens bis zum Jahre 1812. Ohne dasszu dem Bestehenden noch eigentlich neues hinzugefügt ward, bewegteein Wechsel sich fortan überhaupt vielmehr in einer allmäligen Beseiti-gung von Besonderheiten. Festen Bestand vor allem gewannen derFrack, der gerade abfallende Ueberrock, die kurze Kragenweste und,mit nun fast gänzlichem Aufgeben sowohl der Kniehosen, Strümpfe undSchuh, als auch des dreieckigen Huts, der Rundhut mit steifer Krempeund, wenn allerdings auch nur für die nächsten Jahre, die engen Pantalonsnebst den darüber zu ziehenden glatten oder gestülpten Stiefeln (vergl.Fig. 407). Nächstdem gelangten zu weiterer Geltung die einfache? ge-schmeidige Halsbinde, nun als „cravate moelleuse“, und die nach demVorgänge Napoleons durchgängige Kürzung des Haars, vorerst noch alsdas wirre Gekräusel „d la Titus“, sodann aber in schlichterer Weise als„ä la Caracalla u u. A. — Freilich blieb es auch ferner nicht aus dassEinzelne auch dies stutzerhaft übertrieben und, abgesehen von denSchwankungen denen es an sich unterlag, besonders auffällig auszuge-stalten suchten, wie ebensowenig dass Andere bei der Zopffrisur ver-harrten. Indessen wie hartneckig auch diese Stand hielten, und jenesich nun als „ muscadins , miriflors“ u. s. w. theils durch eigens ver-zierte Röcke, wie die „ polonaises chamarree de tresse “, oder „de sou-taches de brandebourgs “, ja auch wohl dadurch hervorzuthun suchten,dass sie, wie im Jahre 1806 vorzüglich, über den Frack eine anderfar-bige Jacke anlegten, gewann das Ganze immerhin bereits in den Jahrenvon 1812 bis 1815 ein so gebundenes Gepräge (Fig. 407), dass diesmindestens als solches dauernd entschied. Fast die einzig durchgreifen-dere Veränderung, die es überhaupt noch erfahren sollte, war die allmä-lige Verdrängung der engen Pantalons und der übergreifenden Stiefel