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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1258
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1258 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

Die weibliche Bekleidung hatte einen mannigfacheren Wechselnoch durchzumachen. Es beruhte dies wesentlich auf der so einfachenBeschaffenheit des Oberkleides, die eben jede Wandlung mit Leichtig-keit zuliess. Doch auch gerade weil dem so war, vollzog sich ein sol-cher Wechsel denn nicht schroff, sondern aus dem Bestehenden herausvielmehr mit aller Rücksicht darauf nur ziemlich schüchtern undgemessen.

Noch bei der Krönung Napoleons erschien die Kaiserin Josephine und mit ihr die gesammte maassgebende Damenwelt in der „tvnique“,hoch gegürtet, darüber mit einem vom Gürtel aus sich erstreckendenvorn weit offenen Obergewande; letzteres bei der Kaiserin als höchsteStaatstracht ausnahmsweise faltenreich und von schleppender Länge. —Aber auch schon gleich zu dieser Gelegenheit hatte nicht nur die vomGürtel aufwärts glatter anliegende Tunika ( Fig. 40ß a) allgemeinerden Vorzug erhalten, sondern auch das Gewand an sich einige Ver-änderungen erfahren: Dasselbe war fast faltenlos zusammengezogen, rings-um bis knapp über die Füsse gekürzt, meist über den Busen fortverlängert und dagegen nun rücklings, von den Schultern aus, nahebis zum Gürtel in leichtem Bogen ausgeschnitten; zudem mehrentheilslängs des unteren Randes, auch vom Gürtel herab inmitten, mit reichenBesätzen verziert, und die sehr kurzen Schulterermel straff kugeligbehandelt. Das Obergewand war vereinzelt mit einem Leibchennebst ebenfalls straff aufgebauschten Schulterermelchen versehen worden,sonst aber im Allgemeinen kurz, oft nur weniges über die Knie reichend,und gleich der Tunika faltenlos. — Andere Uebergewänder bildeten,abgesehen von den fortdauernd üblichen eigentlichen Umschlagetüchern,den indischen Shwals u. dcrgl., kürzere und längere vorn offene Röcke,theils mit ganzen engen Ermeln, gleichermassen faltenlos, und, als unab-hängig davon, runde starre Schulterkrägen. — Auch die Anordnung desHaars liess einen ähnlichen Wechsel erkennen. Sie, noch enger zusam-mengezogen, zeigte kaum noch einiges antikisirende, sondern nahezu all-gemein, davon entschieden abweichend, vorn eine gleichmässige Scheite-lung, glatt, wellig oder lockig, und rücklings eine glatte Rundmasse mitdarum gelegten Flechten, diese mitunter über den Ohren je spiralförmigendigend. Und dazu bestanden als Kopfbedeckungen beträchtlichvereinfachte Rundhauben, mehrentheils lediglich vorn herum mit klein-gefälteltem Weisszeug besetzt, und, gegensätzlich dazu, grosse nach vornhin gerade abstehende, weitausladende gesteifte Hüte.

So denn aus dieser im Verhältniss zu dem natürlichen Bau desKörpers allerdings noch mehr verschobenen Gestaltung heraus fortschrei-tend, entfernte sich von dessen Formengesetze die Gesammterscheinuugdann noch in Weiterem, ja bis zum Jahre 1811 in solcher Steigerung