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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1269
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A. Tracht. Niederlande . Kleidung d. Männer; d. Weiber (1700—1815 ff.). 1269

gemeinen weit mehr in einer durch die Volkstümlichkeit gebundenensich nur innerhalb der bestehenden Hauptformen bewegenden Wand-lung, als etwa in einer stetigen und getreuen Nachahmung des franzö-sischen Mode Wechsels. Zwar blieb wohl eine solche Nachahmung,auch im Weiteren, nicht gerade gänzlich aus, um so weniger als der Hofund die ihm nahe stehende Kreise fortfuhren sich stets durchaus fran-zösisch zu kleiden; indessen, und obschon auch ferner hie und da Ein-zelne es diesen Kreisen hierin gleich zu thun suchten, wie dies folgendsvorzüglich seitens der Weiber geschah, umfasste doch Alles dies min-destens noch bis in die neunziger Jahre, im Verhältniss zum Ganzen,einen nur geringen Bruchtheil. Selbst auch die so enge Beziehung zuFrankreich während der stürmischen Jahre von 1793 bis 1799 ver-mochte in dem Punkte wenig zu ändern; und so auch noch die nächst-folgende Zeit, wie denn ein solcher Einfluss sich überhaupt erst seit derBegründung des französischen Kaiserreichs (1804), doch auch dann nochvorerst nur in den grösseren Städten, von Oben herab, weiter geltendmachte. Bis dahin verhielt es sich hiermit, wenigstens im Allgemeinen,wie ein aufmerksamer Beobachter es in Folgendem zusammenfasste: 1„Sind die Niederländer sparsam in dem Aufwand für ihre Tafel, sosind sie es nicht weniger in Absicht ihrer Garderobe. Die reichstenMänner kleiden sich insgemein sehr einfach und ohne Pracht. Einsimpler feiner Tuchrock, der, bei Leuten die in Aemtern stehen oderetwas in die Jahre sind, von schwarzer Farbe sein muss, die feinsteWäsche, ein guter Kastorhut sind die kostbarsten Artikel der Kleider-tracht unter den Männern. Was mir an ihrem sonst so anständigemPutze zumeist zuwider ist, sind die Perrücken, die fast durchgängig vonetwas bejahrten Leuten getragen werden. .. Die Damen vom erstenRange begnügen sich nicht selten, zumal wenn sie über den Sommer derSchönheit des Lebens hinaus sind, gleichfalls an einer sehr einfachenKleidung, folgen dem Eigensinn der Mode nur sehr wenig, und trageneine Art von Ziehmiitze, die reichlich mit brabanter Spitzen besetzt ist,und oft mehr kostet als Dutzende von modischen Florhüten. JungePersonen aber von beiderlei Geschlecht unterwerfen sich den Launendes Modejournals weit mehr... Dies hat nun freilich manche nach-theilige Folgen, aber auch manches Gute; vorzüglich rechne ich hierzu,dass die schädlichen steifen Schnürbrüste in der feineren Welt den Kreditverlieren und nur noch in den niederen Klassen, besonders aber in Nord-holland im Gebrauch sind... Indess erstreckt sich doch der Einflussfremder Moden mehr auf das schöne Geschlecht, als auf die Männer,

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1 J. Grabner. Ueber die vereinigten Niederlande. Briefe. Gotha 17928. 259 ff.