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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1270 rV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

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worunter selbst die elegantesten nur wenig Seide und Jahr aus Jahrein Tuchröcke tragen .. . Die Ma nn spe rson en bedienen sich im Winterkeiner Pelze; sondern, wie im Sommer bei schlechtem Wetter, einer Artvon Roquelore (Schanzlooper genannt), von grobem grauen oder blauenTuch. Diese sehr bequeme Tracht hat man von den Seeleuten ange-nommen. Unter dem Mittel- und Handwerksmann erhält sich noch eineArt von Nationalkleidung, welche in einem blauen Tuchrock und schwar-zen, meist sammtenen Unterbeinkleidern besteht; jedoch sind auch unterihm in den letzten zehn Jahren die helleren Farben mehr Mode gewor-den. Das Gallakleid, womit sich der gemeine Bürger an Sonn- undFeiertagen putzt, ist, wie bei den angesehensten Leuten, von schwarzemTuch... Der einzige Kleidungsartikel, worin sich die Niederländer ver-schwenderisch zeigen, besteht in kostbarer Wäsche, welche der nieder-ländische, wie der englische Handwerker oft feiner trägt, als der deutscheMann vom ersten Range. Eine der frappantesten Trachten für den Aus-länder besteht in einer Art Schafröcken von buntem wollenen Zeug, diezu Anfang dieses Jahrhunderts aus Japan hierher kamen, und sich ver-muthlich ihrer Bequemlichkeit halber, bis jetzt unter dem Namen Ja-pons erhalten haben. In Amsterdam und Haarlem werden diese Japons häufiger getragen als anderwärts, und selbst ansehnliche Leute gehenhier in solchen, mit dem Hute auf dem Kopfe und einer langen Pfeifeim Munde, nicht nur über die Strasse, sondern auch wohl in Gesellschaftguter Freunde... Seeleute und reiche Bauern setzen ihre vorzüg-lichste Kleidertracht in einem runden feinen Kastorhut, einem langenund weiten aschgrauen oder braunen Rock, feiner Wäsche, goldenenHalsknöpfen, drei bis vier Brustlätzen übereinander mit silbernen Knöpfen,einer Hose mit zwei dergleichen thalergrossen Knöpfen am Latze, gol-denen oder schweren silbernen Uhren und Schnallen. Das Neglige dergemeinen Seeleute ist jedoch nicht so kostbar... Das Haar tragen hierBauern und Schiffer grösstentheils abgeschnitten in natürlichen Locken;jedoch finden sich unter den Seeleuten, besonders unter denen, die etwasmehr als gemeine Matrosen sind, auch viele, welche eine Perrücke füreinen grossen Putz halten.“

„Von der weiblichen Kleidung der mittleren und gemeinerenKlassen von Weibern kann ich nicht viel Vortheilhaftes sagen. Sie istfreilich in den verschiedenen Provinzen verschieden modificirt, die Haupt-bestandtheile aber sind immer nur eine kleine battistene Mütze, unterwelcher die Haare ein wenig hcrvorschwellen, eine steife Schnürbrust, einpaar Halstücher übereinander, ein Kontusch oder Kamisol, zwei grosseWülste oder ein Reifrock an den Hüften, worauf ein halbes Dutzendschwerer Röcke sitzen, die linnenen Unterhosen, die von Vornehmenund Gemeinen, Kindern und Alten getragen werden, und eine grosse