• A. Tracht. England. Kleidung im Allgemeinen (1700—1815'ff.). 1273
So entscheidend er sich auch einerseits im Allgemeinen erwies, beruhtesolches doch eben wiederum auf der Vermittelung seitens Frankreichs ,also dass es ihm an der unmittelbaren Kraft gebrach um der ander-seitigen Richtung schon mehren Vorsprung abzugewinnen. Letztere be-hauptete sich noch fortdauernd in der Vorherrschaft, auch ungeachtetdass fortan der Widerspruch dagegen wuchs, ja es aus den höherenStänden zunehmend häufiger Einzelne, wie die Lady Montagu , es sichangelegen sein Hessen die französischen Modeformen in ihrer Geschmacks-widrigkeit zu geissein (S. 1217), und auch die Franzosen selbst alsbaldnoch manche aus dieser Richtung hervorgegangene Besonderheiten, wieunter anderen die „redingote “ und die Knöpfgamaschen annahmen (S. 1209).Erst seit dem Anfang der vierziger Jahre, mit dem nun sich steigerndenEinflüsse der sich immer selbständiger entfaltenden staatlichen Verhält-nisse, begann diese letztere, mehr eigenheitliche Geschmacksrichtung, jenerden Vorrang streitig zu machen. Ein völlig durchgreifender Sieg in-dessen , blieb ihr nichtsdestoweniger versagt: Inwieweit auch die Nach-ahmung der französischen Moden sich minderte, trat seitdem immerhinnur das umgekehrte Verhältniss ein, ein Verhältniss, demzufolge aller-dings das nunmehr vorwiegende, stets weiter greifende Formengeprägesich als ein besonderes, mehr selbständig englisches darstellte. Soaber, zugleich mit dessen wachsender Anerkennung ausserhalb, that dannauch die höhere Gesellschaft daheim sich nicht wenig darauf zuGute, allmälig selbst die Meinung gewinnend dass sie sich seit langeüberhaupt schon nur derartig bewegt habe. Ausgehend von solcherSelbsttäuschung, doch auch zugleich die rasche Ausdehnung dieserRichtung an sich bezeichnend, schrieb unter anderem J. Moore, gegenEnde der siebenziger Jahre: 1 2 „Man hat allerdings die französischen Sittenfast in allen europäischen Ländern angenommen. Sie herrschen überganz Deutschland und an allen nordischen Höfen. Sie gewinnen auchimmer mehr Boden in Spanien und in Italien . Dies ist nicht der Fallin England. In der Hauptstadt wie in den Provinzen herrschen dieenglischen Sitten, und haben sich selbst am Hofe rein erhalten...In England ist ein Vorurtheil gegen französische Sitten nicht bloss aufdie niederen Klassen eingeschränkt. Dasselbe ist durch die ganze Nationverbreitet... Ich erinnere mich kaum eines einzigen standesmässigenEngländers von Bildung, der in seiner Art und Kleidung den Franzosennachgeahmt, und dadurch nicht in den Augen seiner Landsleute verlorenhätte.“ Arf einem anderen Orte indessen verräth derselbe Beobachter, *
1 J. Moore. View of Society and manners in Franc, Switzerland andGermany. London 1780. I. S. 289.
2 J. Moore. Abriss des gesellschaftlichen Lehens und der Sitten in Italien Aus dem Englischen. Leipzig 1781. I. S. 263 ff.