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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1272
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1272 IV. Dag Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

Nordholländerinnen setzt vielmehr seinen Stolz darein, den alten Modentreu zu bleiben und macht sich über diejenigen lustig, die etwas nach-giebiger in diesem Punkte sind. Weit gefälliger als die nordholländischeWeibertracht ist die friesische und verschiedene andere Trachten. NurSchade dass die Hoofdeisen und steifen Schnürbrüste auch bei ihneneinen ebenso kostbaren, als schädlichen Theil ihres Putzes ausmachen.Uebrigens muss man gestehen, dass wenn auch die Niederländer nichtvon aller Kleiderpracht freigesprochen werden können, sie solche dochmehr in Sachen von innerem Werthe, als einem leichten Flitterstaatesehen lassen: ein kleiner Umstand, der aber, wie mich diinkt, doch auchfür die Gründlichkeit des Nationalcharakters spricht.“

Wie in England die höhere und grossentheils auch die mittlereGesellschaft sich seit lange ganz nach französischem Geschmacke kleidete,so auch blieb für sie der in Frankreich sich vollziehende Modewechselvorwiegend maassgeblich (vergl.S. 1174 ff.). Anfänglich hierin durch einzelneTonangeber noch eigens unterstützt, folgte sie dem zunächst dann nochfast entschiedener, wie schon seither. Nicht minder jedoch währte auchder Widerspruch dagegen fort; nicht nur wie solcher im ausserstädtischenVolke und in den niedereren Kreisen überhaupt bestand, sondern auch wiederselbe zum Theil ebenfalls in der höheren Gesellschaft, in dem Gefühlvolksthümlieher Selbstständigkeit, wurzelte. Jede dieser Richtungen ver-folgte ihren Weg, und letztere, obschon einstweilen eingeschränkter,dennoch so fest und bestimmt, dass sie sich nicht nur zu behaupten ver-mochte, vielmehr derart an Einfluss gewann, dass sie jene allmälig inweitestem Umfange überholte. Der Grundzug beider war freilich dergleiche, der Verfolg der französischen Vorgänge. Indessen, wenn dieeine Richtung das Ziel im Auge behielt die französischen Formen stetsdurchaus zu den ihrigen zu machen, blieb die andern bestrebt solchein ihrem Sinne nur zu verwerthen, sie von den ihnen anhaftendenUebertreibungen zu befreien, überhaupt aber zu einem mehr ihrem Ge-schmacke entsprechenden, besonderen Gepräge auszugestalten. Doch wiees zu geschehen pflegt dass Bestrebungen zum Bessern weit weniger anihrer Quelle, als ferne davon gewürdigt werden, so auch ward dieseRichtung zunächst weit weniger in England selber, als in der Fremdeanerkannt, und dies nun vor allem, seltsam genug, gerade in dem indieser Hinsicht so gebieterischen Frankreich . Es war dies der durch-greifende Sieg, welchen sie noch kurz vor dem Tode Ludwigs XIV.,durch ihn unterstüzt, hauptsächlich über die Fontangen und die Unformder Weiberröcke errang (S. 1211). Aber dieser Sieg war vorübergehend.