A. Tracht. (Schwed.) u. Dänem. ; Kleid, d. Mann.; d. Weib. (1700—1815 ff.). 1279
Bekleidungs weise der niederen Klassen, folgte Schweden , ganz wieBelgien, dem französischen Modewechsel in engem Anschlüsse (S. 1060),während Dänemark, vergleichsweise übereinstimmender mit Holland ,seinen Weg unabhängiger fortsetzte, obschon dieser Weg allerdings wie-derum weit mehr, als es in Holland der Fall war, von einer eigentlichvolksthümlichen Kichtung ablenkte. Denn bei der Herrschaft, welche diefranzösischen Formen doch auch hier bereits seit länger errungen hatten(S. 1062), blieben immerhin sie vorzugsweise maassgeblich; aber ebensobewahrte nun auch der Gang der inneren Verhältnisse ein Recht, das daraufbedingend zurückwirkte. Somit wesentlich hierdurch gebunden, fandendie französischen Formen auch bis in die jüngste Zeit weder stets gleichnach ihrer Entstehung, noch durchgängig treu und ausschliesslich Aufnahme,sondern verhältnissmässig sehr langsam und theils mit andern Formen ge-mischt, wie namentlich seit den fünfziger Jahren vorzugsweise mit engli-schen. Noch bis gegen Ende der Regierung Friedrichs IV. (bis 1730)hielten beide Geschlechter an der zu Anfang des Jahrhunderts üblichenGestaltung fest. Weder gewillt sich die in Frankreich unter der Regent-schaft und die danach zunächst daselbst auftauchenden leichtfertigeren Mo-den anzueignen, noch etwa selbstschaffend eingreifend, bewahrten sie imAllgemeinen die aus der Spätzeit Ludwigs XIV. herrührende, ziemlich ver-steifte Tracht. Viel freilich trug dazu auch wohl die namentlich seit demBeginn des Jahrhunderts stets wachsende Uebersiedelung von aus Frank-reich flüchtenden Reformirten („ refugies “) bei, welche in dem Punkte ebenam wenigsten zu einem Wechsel neigten. Indessen auch noch die nächst-folgende Zeit änderte darin nicht gerade viel. Inwieweit auch Chri-stian VI. (bis 1746) seine Prachtliebe nach allen Seiten hin geltendmachte, und die Kleidung davon berührt ward, erstreckte dies sich dochkaum über den Kreis des Hoflebens hinaus, sich auch bei aller „byzan-tinischen“ Verschwendung des Königs weit mehr nur in den hergebrachtconventionellen Formen erhaltend, als solche etwa auflösend. Das Vor-bild blieb immerhin Ludwig XIV . Und wenn gleichwohl der geradezeitläufigen Geschmacksrichtung mehrentheils Rechnung getragen ward,geschah dies nichtsdestoweniger in einem dadurch bestimmten Maasse.So auch fand es in der Bekleidung seinen Ausdruck weit überwiegendin einer Verwendung von bloss kostbaren Stoffen, reichen goldgesticktenBesätzen, Schmucksachen u. dergl.,alsin der Gestaltung an sich, obschonnun auch diese von dem sonstigen Modestrome nicht unbetroffen blieb.Es war das weibliche Geschlecht, welches dem zumeist nachgab, undgewissermassen erst dadurch das andere Geschlecht veranlasste, ebenfallsdem mehr Folge zu geben.
Aber was sich in dieser Richtung doch zunächst fast lediglich amHofe vollzog, wirkte bei dessen engerer Geschlossenheit nur sehr lang-