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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1278
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1278 rV- Das Kostüm vom Beginn deB 18, Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

unter dem Einflüsse der durch eine solche Ausgestaltung überhaupt ge-wonnenen Freiheit, eine mehr an die geschmackvollere Richtung der erstenHälfte des siebenzehnten Jahrhunderts erinnernde Bekleidungsweise aus,die sich entfernter hielt ebensowohl von der geschmackswidrig gestei-gerten hohen Gürtung, als auch von dem Vordrängen der Nacktheit, undwelche dann selbst auch noch die in Frankreich danach auftretende,an sich schon um vieles gemässigtere Durchbildung „ä la greque “(S. 1252) in eben dem Sinne beeinflusste. Freilich fehlte es auch demgegenüber nicht an mancherlei Ausgeburten, welche die Gefallsucht er-zeugte. Wohl eine der seltsamsten bestand in höchst künstlich vonWachs gefertigten Busen, welche eigens in London erfunden, und hierim Jahr 1798 zum Verkauf ausgeboten wurden.

Allmälig indessen nahmen die von der französischen Gestaltungs-weise abweichenden Besonderheiten, selbst auch im Einzelnen immermehr ab. Das dauernd gegenseitige Verhalten drängte denn doch zurAusgleichung. Zwar setzten die Schwankungen sich fort; indessen schonbald nach der Wiedererhebung Frankreichs zur festgeschlossenen Macht,seit der Begründung des Kaiserthums, in stets absteigendem Maasse, sodass sie folgends kaum noch als solche ins Gewicht fielen.

Hinsichtlich der skandinavischen Länder war das Verhältniss zu derfranzösischen Tracht nahezu ein ähnliches, wie das der Niederlande .In Schweden zwar machte Gustav III. (1771—1792) den Versuch,eine allgemeine (Volks-) Kleidung einzuführen, vermochte damit jedochnicht durchzudringen. Die Absicht blieb wesentlich auf dem Papier.Viel wurde darüber hin- und hergeschrieben. Dann aber auch in dieSache selber so mancherlei Fremdartiges eingemischt, dass sie allein schonaus diesem Grunde keinen weiteren Halt gewinnen konnte. Das einzigewas der König erreichte war, dass diese Tracht am Hofe, doch auchnur seitens des männlichen Geschlechts, als eine blosse Hofkleidungeingehalten ward. Sie selbst durchweg von schwarzer Seide, bestandaus einem bis zu den Hüften reichenden engen Wamms mit Schössenund aufgeschlitzten Ermeln, einem knappen Mäntelchen, einer ziemlichbreiten Schärpe, Kniehosen, Strümpfen und Schuhen, letztere mit einerRosette, einem runden .an einer Seite aufgeschlagenen Hut und einemDegen. In solcher Form beim Regierungsantritte Gustavs IV. lediglichden Kammerherrn als Dienstkleidung verbleibend, ward sie bald daraufgänzlich beseitigt. — Eben aber auch einzig mit Ausnahme dieses Um-stands, so wie abgesehen von den herkömmlich bestehenden „Volks-trachten,“ und der an sich dürftigen zum Theil damit zusammenklingenden