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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1295
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A. Tracht. Deutschld. imAllg.; Kleidg. d.Männer, d. Weiber (1750—1815ff.). 1295

meist anerkannten Wiener-Moden, ebenfalls nach den Orten der Ent-stehung je eigens benannte Berliner-, Dresdner-, Leipziger -,Münchner-Moden u. s. w. Als dann mit dem Jahre 1795 die fran-zösischen Modeberichte wieder in Fluss kamen, und von neuem ihreHerrschaft übten, blieb man nichtsdestoweniger dabei auf eigene Handfortzuerfinden, also dass alle diese Moden sich auch folgends unausgesetztkreuzten. Aber wie gross auch der Beifall war, dessen nun sie sich bis-weilen erfreuten, vermochten sie nicht die französischen Formen, auchnicht einmal die gerade jetzt besonders übertriebenen, nachhaltiger zubeeinträchtigen. Ja letztere, obschon wesentlich durch eine den deutschen Verhältnissen so entgegenstehende Bewegung, wie die Reyolution, veran-lasst, fanden vielmehr gelegentlich selbst noch eine Steigerung. 1 So auchbemerkte, im Rückblick darauf, ein gleichzeitiger Schriftsteller, 2 * 4 * dass„wenn die schwarzen und blonden Pariser Damen-Perrücken, das über-triebene Griechische Costume, und die unanständigen Nuditäten einigerFranzösischen Mode-Weiber, in Deutschland Käuferinnen, und Nachahme-rinnen fanden; so geschah dies entweder durch eine Affectation von Re-publicanismus oder durch ein Rest des ehemaligen Vorurtheils, dass alleFranzösische Moden schön seyen.“ Jedoch gerade dieses Vorurtheil, wasjener aus dem engen Raum der Betrachtung der eigenen Zeit heraus (um1800) beseitigt vermeinte, war weder wirklich überwunden, noch über-haupt so leicht zu bekämpfen. Und wenngleich jener ferner bemerkte,„jetzt bekennen es Modehändler, und Modehändlerinnen von Geschmackselbst, dass fast alles Putz werk, was man in den letzten Zeiten aus Frank-reich erhalten habe, geschmacklos oder phantastisch sey,“ gelang es den-noch in keiner Weise eine Modeform zu erfinden, welche als eine selb-ständig „deutsche“ irgend geeignet gewesen wäre der französischen denRang dauernd streitig zu machen. Auch die inzwischen von Einzelnen,theils selbst von gelehrten Patrioten, wie schon früh von Justus Möser 8versuchten Anläufe zur Beförderung einer einigen deutschen National-K1 ei düng, blieben demgegenüber sowohl, als auch die späteren, ebendarauf zumeist noch um Vieles eindringlicher gerichteten Bestrebungen, *

1 Vergl. J. Falke . Die deutsche Trachten- und Modenwelt. II. S. 316, S.322 ff.

2 C. Meiners. Geschichte des weiblichen Geschlechts IV. S. 172.

8 J. Möser. Patriotische Phantasien. 4. Auflage. Berlin 1820 (Die hier ge-sammelten Abhandlungen selbst datiren aus den Jahren 1768 und 1769) II. S.70: „Schreiben eines Frauenzimmers über die Nationalkleidung.“ Von Interessefür das Kleiderwesen im Allgemeinen sind ferner I. S. 27: „Ueber den Putz derKinder;“ I. S. 71: „Klagen eines Meiers über den Putz seiner Frau;“ I. S. 158:„Antwort auf verschiedene Vorschläge wegen einer Kleiderordnung.“

4 Vergl. Deutsches Museum. August 1778: „Ueber die Nationaltracht.“

Journal von und für Deutschland. Zweiter Jahrg. 1785: „Vorschläge zur Ein-