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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1296 IV- Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

durchaus ohne weiteren Erfolg, wie auch nicht ohne mehrfachen, selbsthartnäckigen Widerspruch. — Anderseits jedoch machte sich bei denMännern, gegensätzlich dem französischen Geschmack, verhältnissmäs-sig früh die Neigung zu langen „Pantalons “ geltend. Schon im Som-mer 1797 erschien im Bade zu Pyrmont mit solchen Friedrich Wilhelm II.,dadurch ihnen denn die volle Anstandsgültigkeit nun auch gleich bisin die höchsten Kreise hinauf nicht mehr wohl versagt werden konnte.Dennoch war und blieb ihr Sieg über die Kniehhosen und Strümpfe im-merhin noch ein getheilter. Nicht allein dass letztere sich bis weit überden Schluss des Jahrhunderts für den höheren Verkehr als einzig zu-lässig behaupteten, erhielten sie sich auch ausserdem noch geraume Zeithindurch. Sonst aber, eben nur abgesehen von solcher ja auch nurtheilweisen Abschwankung, folgten beide Geschlechter fortgesetzt, nunmeist selbst in engerem Anschlüsse, dem Wechsel der französischen Mode.Und so auch in anderen Richtungen, bis dass dann allerdings mit demBeginn des französischen Eroberungskriegs, und seit dem Befreiungskriegnoch entschiedener, eine Wendung mehr im Sinne der eigenen Volks-tümlichkeit, insbesondere in Preussen eintrat, um jedoch auch, bei allemEifer, der sich nun hierin bethätigte, nur zu bald wieder umzuschlagen.Konnte doch gleich schon der Verfasser der im Jahre 1815 veröffentlich-ten satirischen Schrift „ Deutsche Volkstracht oder Geschichte der Kleider-reformation' 1 u. s. w. auf den Titel als Motto setzen:

„ErBt wenn sie in Paris k l’Allemand sich tragen

Wird man in Deutschland auch sich deutsch zu kleiden wagen.“

In der Schweiz änderte sich zunächst wenig. Die hier eintretendeRuhe, deren fast ungetrübte Dauer bis zu Anfang der neunziger Jahre,und die den auswärtigen Bewegungen gegenüber mehr eingehaltene Ge-schlossenheit, waren einer weiteren Verbreitung ausheimischer Gestaltungs-weisen eben nicht förderlich. Zudem Hessen es hie und da die Ortsbe-hörden sich immer noch angelegen sein einem etwa derartigen Zuge, als

führung einer deutschen Nationaltracht.“ F. L. Jahn. Deutsches Volksthum.Lübeck 1810. S. 327. C. H. Arndt. Ueber Sitte, Mode und Kleidertracht. EinWort aus der. Zeit. Frankf. a. M. 1814. Das deutsche Feierkleid. Zur Erinne-rung des Einzugs der Deutschen in Paris am 31. März 1814 eingefüht von deut-schen Frauen. Gotha 1814. m. Abbildg. Th. H. Friedrich. Deutsche Volks-tracht oder Geschichte der Kleiderreformation in der Residenzstadt Flottleben.Ein satyrisches Gemälde. Berlin 1815. m. Abbildgn. So auch begannen zu er-scheinen, mit einer dahin bezüglichen Vorrede von C. M. Arndt: Deutsche Trachten. Berlin 1815 bei L. W. Wittich, in Heften mit farbigen Darstellungen.Nach Zeichnungen des Prof. C. Kolbe.