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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1317
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A. Tracht. "Waffen und Bewaffnung, im Allgemeinen (17001815 ff.). 1317

Die republikanischen Amts-Trachten fanden keine Nachahmung; da-gegen wurden die von Napoleon eingeführten »Hof-Trachten, mindestensden Hauptformen nach, von den meisten grösseren Höfen, zumal dendeutschen, aufgenommen.

Die Waffen, sowie die Bewaffnung als solche, gestalteten sichnocli einfacher; so auch der von der Schutzbewaffnung ja über-haupt nur noch beibehaltene Kopf-, Brust-und Rücken-Schutz (S. 1075 ff.).

Die statt des Hclms bereits seit länger ausschliesslich gebräuchliche(Helm-) Kappe, ohne Visier, Hals- und Bruststück, lediglich mit Stirnund Genick-Schirm nebst schmalen Wangenlaschen, ward immer seltnerganz von Metall, sondern zunehmend häufiger von einem starken »ge-brannten Leder mit blosser Metallverstärkung gefertigt. Letztere, alsBeschlag zunächst noch von beträchtlicherer Ausdehnung, zog sich aufdasHutkreuz zusammen, als solches gemeiniglich nur bestehend inkreuzweis über die Kappe befestigten eisernen Kettchen oder Schienen.Erstere waren bei der preussischen, die Schienen bei der kaiser-lichen und sächsischen Armee in Gebrauch, doch vorwiegend nurbei der Reiterei, auch nur bis zum Jahr 1795. Anderseits auch be-standen die Kappen, theils schon vor Mitte des Jahrhunderts, durch-gängig nur aus Leder oder, wie folgends insbesondere bei der fran-zösischen Armee, aus Filz mit Wachstuch überzogen, gefüttert mit Strohund Rosshaaren. Nach dem siebenjährigen Kriege erhielten derartigelederneHelme die holländische Infanterie, und während desRevolutionskriegs die östreichische Armee zum grössten Theil. Dochwurden sie bei der letzteren seit dem Jahr 1805, nur ausgenommen beieinzelnen Abtheilungen der Reiterei, den Dragonern, Kürassieren undChevauxlegers, wieder abgeschafft; diese Kappen waren ohneKamm.So auch wurden mit solchen Kappen, ganz nach Art der russischenKürassiere und Dragoner , im Jahr 1809 die preussischen Küras-siere, und in Baiern die Infanterie und dieChevauxlegers versehen.Daneben dann kamen allerdings, für einzelne Reiterabtheilungen, auchwieder metallene Hclmkappen auf, doch mehr nur noch als Schmuck-stücke, wie zuvörderst, mit langen Rossschweifen ausgestattet, in derfranzösischen Armee für Dragoner und Kürassiere.

Das Brust- und Rückenstück oder derKürass verblieb gleich-falls, zumeist mit der Kappe, vorzugsweise der Reiterei, wie besondersden eben danach sogenannten Kürassieren. Das Ganze ward mehren-theils, wie seither, aus Eisenblech ziemlich formlos beschafft, nunmehrjedoch gemeiniglich am Halse noch weiter ausgeschnitten, und bis aufdie jüngste Zeit, wo mit den ganz metallenen Kappen auch wieder blankeKürasse aufkamen, durchweg schwarz lackirt. Doch erfuhr nun auch der