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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1318
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1318 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

Kürass an sich bereits bis zur Mitte des Jahrhunderts mehrerseits eineVereinfachung, indem das Rückenstück durch Leder, Filz und dergl.ersetzt oder gänzlich beseitigt ward. Derartige, blosse Bruststücke Wessenleichte Kürasse. Die Befestigung der doppelten oderschwerenKürasse geschah fortgesetzt vermittelst des Hüftgurts und der Schulter-träger ( Fig. 378)) die der leichten Kürasse, ausser durch den Hüftgürtel,vermittelst zweier über den Rücken kreuzweis zu spannender Schnallen-riemen. Nach der Mitte des Jahrhunderts, bis zum Jahr 1795, legten dieEngländer, Hannoveraner, Dänen, Holländer und Preussen allmälig denKürass gänzlich ab.

Nächstdem erhielt sich, gewissermassen als Rest des Hals- oderRingkragens, ein erst grösseres, dann immer kleineres halbmondför-miges Brustschildchen.Es sind dies wie es unter anderemzum Jahr 1756 heisst 1kleine silberne, versilberte oder vergüldeteBrustplatten, gemeiniglich mit den geschlungenen Namen des regierendenHerrn oder dessen Wappen ausstaffiret. Sie werden aus keiner anderenAbsicht, als den im Dienst begriffenen Officier zu distinguiren gebraucht,und vom Obirsten bis zum Fähndrich inclusive geführet.

Ganz dem entsprechend zogen sich die Angriffswaffen zu-sammen. Seitdem Ludwig XIV. zu Folge des von ihm allgemein ein-geführtenBajonnets im Jahre 1699, die Pike aus dem Heere ent-fernte, und dies überall Nachahmung fand, umfassten eben diese Waffenbis gegen die Mitte des Jahrhunderts, von da an die Pike durchFriedrich II. wiederum in Aufnahme kam, überhaupt nur, ausser dem,Sponton, wenige Hieb- oder Seitengewehre und dieMus-kete nebst Bajonnet .

Nächst demSponton, das überdies sich nur als Paradestück derOfficiere der Infanterie bis 1806 fortsetzte, in welchem Jahr dasselbezuerst in Preussen aufgegeben ward, verblieben als Hiebwaffen ledig-lich der Säbel (Pallasch) und der Degen, wozu dann durch Friedrich Wilhelm I. von Preussen, als bequemes Seitengewehr für Infanterie,derHirschfänger trat. 2

Der Säbel bestand, gemeiniglich wie vor, aus einer mässig gebo-genen Klinge mit starkem, an der Spitze etwa drei Zoll lang geschärftemRücken, nun aber zumeist auf beiden Seiten längs dem Rücken zu einerschmalen Hohlkehle und auf der ganzen Fläche leicht ausgeschliffen; auseinem einfachen Handgriff mit knapper Unterplatte, kurzer Parirstange

1 Jacob von Eggers, u. s. w. Neues Kriegs-, Ingenieur-, Artillerie-See- und Ritter-Lexicon, worinnen Alles, was einem Offloier u. s. w. zu wissennöthig, sattsam erkläret und mit Kupfern erläutert ist. Dresden u. Leipzig 1757.1^1 S. 635.

' 2 Jac. v. Eggers a. a. 0. S. 1200.