A. Tracht. Waffen u. Bewaffn. (Uniformirung) im Allgem. (1700—1815 ff.). 1323
Truppen einmal ernstlich zu versuchen, sie mithin recht eigentlich zublossön Parade-Truppen wurden, blieb es, zumal bei der nun dafürwachsenden Liebhaberei des Königs, auch nicht aus, dass die straffeOrdnung zu einer todten Maschinerie, und die Behandlung der Montirungzu kleinlicher Putzsucht ausartete. In solcher Verfassung war die Armee,als Friedrich II. den Thron erbte. Er selber äusserte darüber, nachdemer sich seine Soldaten geschaffen, nicht ohne einige Spöttelei: 1 „BeiAnfang der Regierung Friedrich Wilhelms hatte man sich damit be-schäftigt, bei den Regimentern Ordnung und Mannszucht einzuführen.Da aber von dieser Seite nichts mehr zu thun übrig blieb: so wendeteman die Aufmerksamkeit nur auf solche Dinge, welche in die Augenfallen. Der Soldat musste sein Gewehr sowohl als den Schaft glänzendmachen. Die Mähnen der Pferde wurden mit Bändern geschmückt.Zuletzt artete die an sich nützliche Reinlichkeit in eine lächerlichePrunksucht aus. Wenn der Friede länger als bis zum Jahre 1740 ge-dauert hätte, so würde glaublicher Weise der Gebrauch der Schminkeund der Schönpflästerchen eingeführt worden sein. Das Vornehmste imKriege ward vernachlässigt, und unsere Beurtheilungskraft ward täglichdurch die Beschäftigung mit Kleinigkeiten geringer.“
Die Soldaten Friedrichs II. machte allerdings nicht der Friede,sondern von vornherein der Krieg. Und das eben vor allem war es,was nun ihnen zugleich den Rang als mustergültig sicherte. Ordnungund Mannszucht blieben gefestigt, auch regierte noch der Stock; dochder starre Kamaschendienst, wie das Stutzerthum, hörten auf. Dagegenward das Exercitium nach jeder Seite hin vereinfacht, die Gliederung,Aufstellung und das Commando weiter, bis zu thunlichst rascher tak-tischer Verwerthung durchgebildet, die Bewaffnung zunehmend verbessert,die Waffengattungen an sich durch neue Regimenter vermehrt, und auchdie Montirung mit Rücksicht darauf, wie denn zugleich unter Mit-verwendung von unterscheidenden Zierstücken, als farbigen Litzen, Tressen,Schnüren u. dergl. vermannigfacht. Sie selber bestand, abgesehen vonden Regimentsfarben, im Ganzen bei Infanterie aus knappen, bis zumKnie reichenden Röcken mit mehr oder minder breiten Aufschlägen undzurückgeschlagenen Schössen, weisser Weste und weissen Kniehosen,weissloinenen oder weissledernen, späterhin schwarzen 2 Tuch-Kamaschen,die sich über die Knie erstreckten, schwarzen abgestumpften Schuhen,
1 S. „Abhandlung von der preussisehen Kriegesverfassung in alten undneueren Zeiten.“ S. 85.
2 „Vom Ursprung der schwarzen Kamasehen“ theilt A. Berlepsch. Chronikvom ohrbaren und uralten Schneidergewerk u. s w. S. 174 ein hübsches Ge-schichtchen mit, welches indessen wohl nur ein lustiges Soldatenstückchen ist,das erst in Folge der Einführung dieser Tracht entstand.