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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1324
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1324 IV.

Das Kostüm vom Beginn des 18,

Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

und ziemlich hohen dreieckigen Hüten; das Haar an den Seiten auf-gerollt, mit Zopfruthe und gepudert. Dem ähnlich bei der Cavallerie,nur dass diese gemeiniglich statt der Röcke kürzere, meist bis zurHälfte der Oberschenkel sich erstreckendeCollets, lederne Hosen, hoheStiefel und kurze Federbüsche trug. Ausserdem war beiden gemeinsamein breites Bandelier für den Säbel und eines für die Patrontasche, jenesum den Leib zu schnallen, letzteres quer über die Schulter von derLinken nach rechts zu hängen. Mit zu den neu errichteten Truppenzählten, nächst den mit Piken bewehrtenBosniaken oderTowarzysz(S. 1319), mehre verschiedenfarbige, mit Schnüren, Litzen u. s. w. ge-schmückte Husaren-Regimenter. Wie solche Gesammtausstattung an sich,so auch fand diese Waffengattung bald allgemeinere Nachahmung, aus-genommen in Oestreich, das in den Punkten überhaupt noch längerhinbeim Alten beharrte. Am wenigsten konnten sich, ausserhalb Preusscn,die höchsten und höheren Officiere von der grossen Perriicke trennen,und auch davon am schwersten Oestreich, wo sie, wie nächstdem inEngland, von jenen theils selbst noch bis über die Mitte des Jahrhundertsgetragen ward.

Eine weitere Umgestaltung erfolgte dann unter dem Einflüsse derfranzösischen Revolution, sowie auch insbesondere der Kriege seit demJahr 1805 bis zum Sturze Napoleons , nun abermals nach dem Vor-gänge Frankreichs . Sie äusserte sich bei der französischen Armeezuvörderst in Beseitigung von allerlei Borten- und Tressenwerk, der um-geschlagenen Rockschösse, des Puders und der Haarbeutelfrisur. AnStelle der dreieckigen Hüte traten allmälig, mit Ausnahme bei einzelnenhöheren Officieren, die hohenCzakos und ledernen Helme, davon zu-meist die ersteren mit Schnüren und walzenförmigem Haarbusch; dieletzteren theils mit wollenem Kamm, theils mit Rossschweifen geschmückt.Dagegen blieben für Infanterie die Gamaschen noch länger üblich, vorerstnur vereinzelt vertauscht gegen enge Pantalons nebst kürzeren oderhöheren Stiefeln; so bis zum Jahre 1809, von da an sie, doch erst auchnur zum Theil, hauptsächlich nach preussischem Vorbilde, durch dieweiten Pantalons von grauem und andersfarbigem Tuche mit Lang-streifen ersetzt wurden. Es folgten dem zuerst die schwedische, danndie russische Armee, und bald danach die übrigen Heere, während 'dessenjedoch nun wiederum eine reichere Ausstattung der Krägen, Aufschlägeu. dergl. durch Litzenwerk und Stickerei, indessen fortan hauptsächlichnur für Officiere, in Aufnahme kam; ebenso nun für die letzteren, fastallein mit Ausnahme bei den Oestreichern und Baiern , je nach derRangstellung eigens gestalteteepaulettes. So auch, während fast alleArmeen insonderheit für die Infanterie den hohenCzako annahmen,führten auch bei letzterer Oestreich, Baiern und Würtemberg die runden